Freitag, 30. Juli 2010

Daniela Prousa

Daniela Prousa äussert sich auf ihrem Blog, auf dem leider nicht kommentiert werden kann, über die Berichterstattung zu ihrem Buch, das ich hier zu beschreiben versuchte.



Kommentare von mir auf einige Aspekte aus den öffentlichen Reaktionen

17:20, 29/07/2010 .. Link

Mit überwiegender Freude las ich in so manchem Blog und Forum über die Perspektive, die andere auf mein Buch haben, an dem ich ein gutes Jahr lang viele Stunden am Tag schrieb, häufig auch in den Nächten. Soviel Energie dafür aufgebracht, ist es mir tatsächlich "ans gewachsen" und so möchte ich die Gelegenheit nutzen, noch einiges dazu darzulegen, vor allem im letzten Absatz hier unten, aber auch zuvor, wenn ich gleich dabei bin, noch einige Gedanken zu anderen Aspekten.

First of all, ich bin keine Psychiaterin, also keine sich mit psychischen Erkrankungen befassende Fachärztin, sondern Diplom-Psychologin. Ich interessiere mich für das Erleben und Verhalten von Menschen, für dessen psycho-"logische" Zusammenhänge mit der eigenen Vergangenheit, den Spiegelungen und Interaktionen in der Gegenwart und den Zielvorstellungen in der Zukunft. Ich weiß,dass diese Differenzierung für Außenstehende manchmal etwas schwierig ist .

Den Leser erwarten 631 Seiten, wohl oder übel , nicht 603 oder 580 oder...

Das Buch "Analyse des Vermisstenfalles Madeleine McCann" stellt primär eine Analyse der öffentlich direkt verfügbaren, von den McCanns nach dem in Frage stehenden Ereignis produzierten Daten (Homepage, Blogschreibung, Interviews, öffentliche Appelle, Vertrieb von Propagandamaterial im Rahmen ihrer Kampagne etc.) dar. Die Grund- und Hintergrundinformationen zum Fall werden selbstverständlich, dem vorangehend, dargelegt, damit der Leser vor dem Eintreten in die Analysen ausreichend Kenntnis besitzt. Diese Daten selbst werden aber weitestgehend nicht analysiert, z. B. werden keine Widersprüche zwischen verschiedenen Zeugenaussagen herausgearbeitet oder, was ohne Verfügbarkeit aller Dokumente der Ermittlungsakten ja auch nicht möglich ist, werden nicht sämtliche Hinweise auf Sichtungen und andere Indizien auf deren Aussagekraft hin untersucht. Dies kann an anderer Stelle erfolgen, unter Vorlage aller wichtigen Unterlagen, und entspricht nicht der Fragestellung dieser Arbeit.

Da diese Hintergrunddaten im Prinzip nicht und an seltenen Stellen nur in zu vernachlässigender Weise in die eigentliche Analyse einbezogen werden, sind hier einige wenige und periphere Unsicherheiten oder Abweichungen, wie z. B. bzgl. der genauen Ankunftszeit der Polizisten am Tatort, die trotz gewissenhafter Recherche unter Rückgriff auf qualitativ gute Quellen nicht völlig ausgeschlossen werden konnten, nicht ausschlaggebend.

Angesichts der umfangreichen und aufgrund von Fotos und Videos (z. B. Dokumentation der Suchmaßnahmen der Spürhunde) recht verlässlichen Datenlage wird der für eine kriminalistische Untersuchung stets zentrale Aspekt, nämlich eine Analyse des Tatortes, hingegen durchaus eingebunden. Deren Ergebnisse werden dann mit den im Werk hauptsächlichen Untersuchungen, also denen der Handlungsprodukte der Eltern nach dem Verschwinden von Madeleine, für die Schlussfolgerung in den letzten Kapiteln des Buches zusammengeführt. Amarals Buch findet nur in sofern Erwähnung, als dass dessen kritisches Potenzial aufgezeigt wird, das, neben weiteren kritischen Stimmen anderer Experten, eine genaue psychologische Analyse des Elternverhaltens als bedeutsam und lohnenswert erscheinen lässt. Die in dem Buch dargelegte Schlussfolgerung zum Fall, die letztlich aufgrund der psychologischen Ergebnisse am plausibelsten erscheinende Tathergangsrekonstruktion, stützt sich in keinem Punkt auf die Aussagen von Amaral.

Wie eben schon angeklungen, haben die Analyseergebnisse und gezogenen Schlussfolgerungen, wie im Buch auch dargelegt, den Stellenwert von Indizien und hohen Plausibilitäten - ihnen kommt nicht die Kraft gut gesicherter Erkenntnisse zu, wie sie DNA-Analysen, Glaubhaftigkeitsdiagnostiken oder gar detaillierten Geständnissen von Tätern zuzuschreiben sind.

Anwendungen der Analysemethoden der Hermeneutik müssen bestimmte Gütekriterien erfüllen, um wissenschaftlich fundiert zu sein. Neben Vorerfahrungen durch entsprechende Analysen und größtmöglicher Transparenz jedes Analyseschrittes sind dies, wie ich in "Analyse des Vermisstenfalles Madeleine McCann" zeige, Textsicherheit durch die Hinzuziehung von Muttersprachlern bei aufkommenden Unsicherheiten, Inanspruchnahme verschiedener Supervisoren und Mitinterpreten zur Erweiterung der Perspektiven und zur Prüfung der intersubjektiven Übereinstimmung, psychoanalytische Selbsterfahrung, Zerlegung der übergeordneten Fragestellung in psychologisch gut untersuchbare Konstrukte, Aufzeigen der Interpretationskriterien vor Analysebeginn sowie, konkret formuliert für dem vorliegenden Fall, die zumindest grobe Postulation der für die verschiedenen möglichen Verschwindensszenarien in den Handlungsprodukten der Eltern erwartbaren latenten/unbewussten Gehalte, ebenfalls vor Analysebeginn. Die Ergebnisgüte wird hierdurch gesichert und schränkt die Gefahr subjektivistischer Verzerrungen in den Interpretationen, die mehr über den Analysierenden als über das Analysierte aussagen würden , deutlich ein. Der Untersucher kann, so gesichert, sein eigenes Subjekt für den Analyseprozess einsetzen, wie es die Methode der Tiefenhermeneutik i. S. einer "Meditation" über die durch das Material in ihm aufsteigenden inneren Erlebnissphären verlangt. Er kann so versteckte Aspekte erkennen, die unter rein rationaler Betrachtung unerkannt geblieben wären.

Die Nutzung des in dieser Hinsicht "Subjektiven" macht bei der Tiefenhermeneutik den Erkenntnisgewinn aus, ist nicht nur beabsichtigt, sondern für das Erkennen von Verdrängtem und Verleugnetem essentiell. Unbewusste, d. h. nicht bewusst reflektierte, aber auch nicht direkt verdrängte Aspekte, wie z. B. Beziehungsstrukturen innerhalb einer Familie, können hingegen auch sehr gut mittels der rational arbeitenden objektiven Hermeneutik entschlüsselt werden. Oevermann selbst beansprucht durchaus, auch das dynamisch Unbewusste, also explizit verdrängte/abgewehrte Strukturen mittels Objektiver Hermeneutik rekonstruieren zu können. Reinke (vgl. ihre im Blog abgedruckte Rezension) widerspricht ihm hier. Das zeigt die Diskussionsfähigkeit und -würdigkeit dieses Aspektes. Wie ich in meinem Buch dargelegt habe, nehme ich diesbzgl. den Standpunkt ein, dass beide Methoden bzgl. des dynamisch Unbewussten zwei Wege eröffnen, die beide, durch verschiedene Sphären hindurch "nach Rom führen", die Tiefenhermeneutik mehr erlebnisorientiert, die Objektive Hermeneutik rational alle möglichen Bedeutungsrichtungen aufzeigend und dann die sich herauskristallisierende, wiederkehrende Struktur benennend. Die Tiefenhermeneutik wird bzgl. der Erhellung des dynamisch Unbewussten aber wohl häufig noch ergiebiger sein,da sie ganze dynamische Bedinungsgefüge herauszuarbeiten vermag und verdrängte Erlebnisaspekte am ehesten durch eben wieder diesen Kanal, das Emotionale, umfänglich wieder erfahrbar werden, statt durch rationale Betrachtung, die aber durchaus einzelne Muster erkenntlich machen kann und deren latente Charakterisierung.

Wie ich auf verschiedenen Internetseiten lesen konnte, wird häufiger die "nackte" Kernaussage meiner Tathergangsrekonstruktion wiedergegeben . Hier möchte ich sehr gerne und mit Nachdruck auf das im Buch erarbeitete Verständnis für das evtl. Möglichwerden solcher Handlungen, für die dann vorliegenden Beweggründe der Akteure, deren z. T. leidvolle innere Not hinweisen, die zentrale Aspekte eines von mir dargelegten Tatherganges erst zustande kommen lassen. Trifft dieser so oder in ähnlicher Form zu, so wird die offizielle Aufklärung des Vermisstenfalles Madeleine McCann am wahrscheinlichsten unter einer breiten öffentlichen Verständnisentwicklung ans Licht kommen dürfen.



Mein Kommentar dazu:

Erst einmal vielen Dank für die Erwähnung meines und anderer Blogs und Foren auf Ihrer Seite. Jedes Ins-Gedächtnis-rufen ist hilfreich.

Ohne die wissenschaftlichen Hintergrundinformationen zu besitzen, ist es für einen Laien in der Tat schwierig, die Analyse, mit der sie zur "nackten Kernaussage" gekommen sind, richtig und verständlich zusammenzufassen. Ich hätte dies gern an Hand von Beispielen aus Ihrem Buch getan, wollte aber nicht ohne Erlaubnis zitieren und übersetzen. Das Interesse daran war groß, vielleicht könnten Sie mir Ihre Erlaubnis für Zitat und Übersetzung einiger Passagen erteilen.

Was meine Einschätzung angeht, dass Sie sich in letzter Konsequenz auf die Schlussfolgerungen von Herrn Amaral stützen, was den Unfallhergang und den Zeitrahmen angeht, möchte ich diese noch näher erläutern:

Für Ihre Arbeit war die Seite www.mccannfiles.com die richtig gewählte Basis, da hier alle Äußerungen der Eltern über die Presse lückenlos archiviert sind. Großer Dank geht hier wieder einmal an Nigel, der unter hohem persönlichen und finanziellen Einsatz dies nach wie vor gewährleistet.

Für die Bewertung der kriminalistischen Fakten wären jedoch die tatsächlichen Polizeiakten meiner Meinung nach sinnvoller gewesen, die in ungekürzter, vollständiger Form, wie von der Policia Judiciaria freigegeben, hier vorliegen.

Speziell die Begegnung der Familie Smith, die sich mitlerweile als zentrales Indiz in diesem Fall herauskristallisiert hat, hätte ein Fragezeichen auf den von Ihnen antizipierten Ablauf der Geschehnisse nach einem möglichen Auffinden einer Leiche geworfen. Denn wenn der Vater bereits um 21:50 Uhr mit einem "schlafenden" Mädchen auf dem Arm Richtung Strand gehend, gesehen wurde, kann sich die Leiche nicht über Stunden oder sogar Tage in einem Versteck im Ocean's Club befunden haben. Dass die Aussage im zentralen Abschlussbericht, Gerry McCann sei von Zeugen zu diesem Zeitpunkt im Restaurant gesehen worden, unhaltbar ist, zeigt sich schon nach kurzem Studium der Akten. Alle Zeugen, die dies bestätigen, gehören dem Kreis der Freunde an und sind nicht als neutral einzustufen.

Auch die mitlerweile von vielen unermüdlichen Forenmitgliedern herausgearbeiteten Diskrepanzen, die einige der Freunde der McCanns in ihren verschiedenen Verhören erzeugten, wie z.B. die hier beschriebenen Aussagen von Herrn Oldfield, legen den Verdacht nahe, dass der Abend des 3. Mai eine Inszenierung war, um einerseits von einem Vernachlässigungsdelikt an den Kindern durch extrem häufige Überprüfung abzulenken, andererseits erst einen Zeitraum für eine Entführung zu schaffen. Dies würde zumindest den Zeitpunkt des Todes um mindestens einige Stunden nach vorne verlagern.

Aus diesen Gründen bin ich bei meiner Buchbeschreibung zu dem Schluss gekommen, dass Ihre hervorragende Analyse zwar sehr wohl zu einer schlüssigen Aussage bzgl. der Position der Eltern nicht als Angehörige eines Opfers sondern als mögliche Tatbeteiligte kommt, trotzdem Tatzeitpunkt und genauen Ablauf offen lassen muss und sich daher an die Überzeugung des Chefinspektors anlehnt.

Das Interesse an Ihrem Buch war von Seiten der Menschen, die sich immer noch um eine echte Aufklärung des Falles bemühen, jedenfalls sehr groß und ich würde es gerne auch dem überwiegend englisch-sprachigen Interessentenkreis näher bringen. Sollte es englische Rezessionen geben oder eine Übersetzung geplant sein, wäre ich für Hinweise sehr dankbar. Ansonsten wäre es schön, wie oben erwähnt, wenn ich einzelne Auszüge aus der hermeneutischen Analyse übersetzen und veröffentlichen dürfte.

Kommentare:

  1. Hallo Johanna,

    wow, dieses Buch scheint echt den Preis zu rechtfertigen. Mir schwirrt schon so der Kopf...

    LG Sibylle ;)

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  2. Das Buch ist sicher seinen Preis wert, wenn man bedenkt, dass die Auflagenzahl sicher recht gering ist und sehr viel wissenschaftliche Arbeit eingeflossen ist. Es ist auch für mich sehr schwer, den Inhalt den englischsprachigen Foren zu vermitteln, da mir schon im deutschen an manchen Stellen die Fachausdrücke fehlen und im Englischen stoße ich da bestimmt an meine Grenzen.

    Übrigens hab ich gelesen, dass es Dir momentan wieder nicht so gut geht, schön dass du trotzdem noch die Kraft hast, dich für andere Themen zu interessieren. Die allerbesten Wünsche für Dich und führ dich gedrückt.

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  3. Liebe Johanna,

    Ihr von mir als qualitativ recht hochwertig eingeschätztes Engagement i. S. eines kritisch-aufklärerischen Nichts-unter-den-Teppich-Kehrens ist mir sympathisch und teilt den Grundcharakter des Psychoanalytischen :-) ; so möchte ich gern auf Ihre Zeilen eingehen.

    Da meine ausführliche Antwort hier nicht hinpasste, habe ich sie hier eingestellt:

    http://www.free-blog.in/AnalyseMaddie/167989/Meine+Gedanken+zu+den+anregenden+Gedanken+.....html

    Ihre Idee von Zitaten und Übersetzungen finde ich prinzipiell gut und bedanke mich dafür. Wenn Sie bitte noch ca. eineinhalb Wochen warten würden, so dürfen Sie dann meinetwegen gern zitieren und stellenweise übersetzen (ausgeschlossen (nahezu) seiten- oder gar kapitellang, dafür habe auch ich selbst vertraglich nicht das Recht). Falls Sie an irgendeiner Stelle eine Frage haben, können Sie mich gern fragen; Kontaktmöglichkeit für derartiges lässt sich in meinem Buch-Blog unter "Profil" finden.
    In der Zwischenzeit, in der es in den nächsten Tagen mit einigen Buchhandlungen auch noch Gespräche gibt, würde ich gern noch etwas abwartend sein, in meinem eigenen Interesse, da das Buch erst seit kurzem vertrieben wird und dies auch in dieser und nicht in der anderen Bdtg. dieses Wortes so bleiben soll ;-).

    Freundliche Grüße an Sie! Daniela Prousa

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  4. Liebe Daniela Prousa,

    vielen Dank erst einmal für die Genehmigung, einzelne Passagen für die englischsprachigen Interessierten zu übersetzen. Natürlich warte ich auf ein GO von Ihrer Seite. Ich werde mich per Mail mit Ihnen in Verbindung setzen.

    Für einen ausführlichen Austausch bzgl. Theorien und Schwächen derselben, ist ein Blog nur bedingt geeignet. Ich denke auch, dass der letztendliche Tathergang in allen Einzelheiten zweitrangig ist in Bezug auf eine generelle psychologische Analyse. Ein paar Punkte möchte ich jedoch kurz anmerken:

    - Die Familie Smith (es handelt sich hier um 3 Hauptzeugen und weiteren 6 Mitgliedern) hat ihre Aussagen bzgl. der beschriebenen Person nie geändert. Einzig das "Erkennen" von Gerry McCann mit 60-80%iger Wahrscheinlichkeit durch He. Smith nachdem er ihn die Gangway mit seinem Sohn herunterkommen sah, ist im September hinzugekommen, und hat dem Herrn schlaflose Nächte gebracht. Ich kenne PdL im April und Mai und kann versichern, dass es dort Nachts um diese Zeit in dieser eher abgelegenen Ecke des Ortes extrem ruhig ist. Gleich einer Gruppe von 9 Personen zu begegnen ist richtig dickes Pech ;)

    - Die Tatsache, dass Jane Tanner zwar sowohl Gerry McCann und Jeremy Wilkins als auch den "Abductor" gesehen haben will, aber weder von Gerry noch von Jeremy gesehen wurde, lässt große Zweifel an ihrer Sichtung zu - zumindet zu diesem Zeitpunkt. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass diese Begegnung das Alibi für Gerry ist - auch für die Smith Begegnung, wird die Notwendigkeit der Frage nach einer Mitwirkung einiger Freunde deutlich. Wenn man die Praktiken des britischen Social Service bei Kindesvernachlässigung kennt, kann man erahnen welchem Druck auch die Freunde ausgesetzt waren.

    - Ob man ein kurzfristiges Versteck in den Klippen oder ein Versteck im Apartment in dem die Polizei erwartet wird als logischer betrachtet, liegt im Auge des Betrachters.

    Ein Thema zu dem ich Ihre Meinung zu gerne erfahren würde, ist die Aussage der Familie Gaspar. Vielleicht könnten wir das bei Gelegenheit einmal privater diskutieren.

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  5. Ich wollte soeben D. Prousas Buch bei Amazon bestellen, es ist aber laut Amazon "derzeit nicht verfügbar."
    Kann mir jemand andere Bezugsquellen nennen, wo es noch erhältlich ist?

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  6. http://www.lob.de/cgi-bin/work/framesetneu?flag=new&frame=yes&id=41c3fcc5dc23d

    Die ISBN ist 978-3-86553-353-1

    Oder bei jedem lokalen Buchhändler zu bestellen

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  7. Vielen Dank für die Info, Johanna.

    Ich lese gerade Kate McCanns Buch und vergleiche es mit dem von G. Amaral.
    Sehr interessant, dass Kate selbst angibt, sie habe sich gewundert, dass die Zwillinge bei all dem Lärm und Durcheinander keinen Mucks von sich gegeben und tief und fest weiter geschlafen haben. Sie sagt, dies sei ihr unnatürlich erschienen und sie habe sich gefragt, ob sowohl Madeleine als auch die Zwillinge ein Sedativum (!) bekommen hätten.
    Sie will dem Leser natürlich vermitteln, dass "der Entführer" dies getan hat, aber warum hat sie dann nicht gleich die Ermittler auf das aufmerksam gemacht und auf einem Test bestanden? Und auf welche Weise sollte denn der Entführer den Zwillingen so ein Sedativum verabreicht haben?
    Ich habe mir noch keine abschließende Meinung zu dem Fall gebildet, aber da sind so viele Widersprüche und soviel Seltsames, dass man das Gefühl bekommt: "Da stimmt etwas nicht."
    Oft bauen Verdächtige, die tatsächlich schuldig sind, Teilwahrheiten des Geschehens in ihre Version der Ereignisse mit ein, um
    ihre Geschichte der Tatsachenlage anzupassen.
    So könnte die unübersehbare Tatsache: "fest durchschlafende Zwillinge" Kate veranlasst haben, einen Teil der Wahreit (Sedierung) indirekt zuzugeben, diese aber "dem Entführer" in die Schuhe zu schieben, um von sich selbst abuzulenken.
    Sie geht damit natürlich ein hohes Risiko ein, aber dies ließe sich damit erklären, dass ihr klar war, wie verdächtig das Durchschlafen der Kinder gewirkt haben muss.

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  8. Ja das Sedieren der Zwillinge war ein hohes Risiko wenn es wie ich fest glaube eine inszenierte Entführung war. Und nur unter der Prämisse erklärbar, dass die Zwillinge möglicherweise SCHLIMMES hätten sehen können, wären sie aufgewacht. Dieses Durchschlafen der Kinder war auch das einzige Indiz und der Grund warum die These hochkam, die Eltern und Freunde hätten ihre Kinder regelmässig ruhiggestellt. Was ich nicht glaube, denn die Aussage von Mrs. Fenn widerspricht dem komplett. Es gab nur einen Abend an dem Schlafmittel verabreicht wurden und das war der Abend der inszenierten Entführung.

    Gleichzeitig schliesst das einen Tod von Maddie durch Betäubung meiner Meinung nach aus. Wäre sie daran gestorben, hätte man das Gleiche nicht mit den Zwillingen gemacht.

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  9. Ich habe gerade den esten Teil von D. Prousas faszinierendem Buch gelesen und bin total beeindruckt!
    Unglaublich, wieviel bei dieser hermeneutischen Methode "enthüllt" werden kann.

    Hinsichtlich der Tathergangsrekonstruktion hätte ich eine Frage: haben die Spürhunde Eddie und Keela auch das Apartment 4G untersucht, in das die McCanns umzogen (bevor sie dann später die Villa anmieteten)?

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  10. ""5A:

    From 8.30pm to 9.20pm, the dogs go through.
    8.20pm: The cadaver dog, "marks," the couple's wardrobe area in the bedroom.
    8.22pm: The cadaver dog, "marks" an area behind the sofa in the sitting room near the window overlooking the road.
    From 8.47pm to 9.20pm, the blood detecting dog goes through.
    8.10 (should it be 9.10?) The dog, "marks" an area of floor behind the sofa in the sitting room, near the window overlooking the road.

    5B: 9.24 to 9.27pm: The cadaver dog did not alert on anything.

    5D: 9.29 to 9.34pm: The cadaver dog did not alert on anything.

    5H : 9.35 to 9.38pm : The cadaver dog did not alert on anything.

    4G : 9.42 to 9.45pm : The cadaver dog did not alert on anything.

    Garden belonging to apartment 5A (with access via the balcony and the steps):

    9.49 to 10pm: The cadaver dog "marks" an area of the garden immediately below the window. ""

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  11. Danke für die Info, Johanna.
    Habe gerade in D. Prousas Buch die Passage gefunden (S. 287), in der sich schreibt, das Apartment welches die McCanns unnmittelbar nach dem Ereignis bezogen, sei ihres Wisens nach nicht nicht von den Spürhunden untersucht worden.
    Falls es sich hier um Apt. 4G handelte (ich glaubte dies aus Kate MCanns Buch zu entnehmen, vielleicht habe ich es aber falsch interpretiert), ist es offenbar doch von den Hunden untersucht worden.

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  12. Ja das ist das Apartment in das sie am nächsten Morgen gezogen sind. Aus meiner Sicht ist es relevant, dass die Hunde dort nichts gefunden haben, denn das zeigt, dass der angezeigte Geruch im Elternschlafzimmer von 5A nicht durch Kontamination durch Kleidung entstanden ist, sondern von einer Leiche herrührt, die dort gelegen haben muss. Ansonsten hätte der Hund auch im 2. Schlafzimmer (Kleiderschrank) angeschlagen.

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