Samstag, 8. Januar 2011

Ein Desaster


Ein Urlaub im Frühjahr nach einem trostlosen Winter wird sicher mit den schönsten Vorstellungen befrachtet. Sonnenbaden, Strandgeschichten, laue Nächte mit Freunden und endlich Zeit für den Partner.

Was passiert, wenn die Realität so garnicht der Vorstellung und den dringenden Bedürfnissen entspricht? Wenn das Wetter kalt und bedeckt ist und nicht besser, sondern schlechter wird, mit Regen am 5. Tag? Wenn die täglichen Verpflichtungen mit 3 Kindern unter 4 Jahren nicht geteilt, sondern wie immer auf einen Partner entfallen, vor allem das abendliche Baden und das schwierige Zubettbringen der Kinder während der Partner jeden Abend am Tennis teilnimmt? Wenn dann noch der Ehemann die gutaussehende und -ausgestattete junge Angestellte an den gemeinsamen Tisch bittet und die Ehefrau ignoriert und sie aus Verzweiflung einer Freundin per SMS ihre Wut in vielfachen Nachrichten berichtet? Wenn das Kind, das am schwierigsten ist und die Nachbarn mit nächtlichem Geschrei nach dem geliebten Vater alarmiert, am Mittwoch einen Wutanfall auf dem Spielplatz hat und die Mutter es mal wieder alleine nach Hause bringen muss? Wenn dieses Kind an diesem Abend einfach nicht ins Bett will und nach seinem Daddy verlangt, der nach einer schnellen Dusche schon mal mit seinem Freund voraus geht zum Restaurant und seine Frau in ihrem Stress alleine lässt? Das Kind auf die Couch springt um nach dem Mann zu rufen, der unten mit seinem Freund scherzend, vorbei geht und der verantwortlich für die Misere der Frau ist?

Keine Ahnung, wirklich, ich hatte nur einen verstörenden Traum heute Nacht.

Kommentare:

  1. Und wenn doch alles geplant war?
    Es sieht so aus, wie du schreibst, aber es wurde auch sehr viel gelogen über den Tagesablauf.
    So steht die belastete Partnerin schlecht da, aber wenn vielleicht alles schon im Voraus durchdacht war?

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  2. Ich weiss nicht genau was du damit meinst. Dies ist kein lapidarer Zweizeiler über eine Vermutung. Dieses (temporäre) Fazit basiert auf allen bisher durchforsteten Akten, Theorien, Aussagen über die letzten fast 4 Jahre. Ich habe viele Theorien über die Beseitigung der Leiche aufgestellt aber bis heute keine zu Ihrem Tod. Wer dem Blog gefolgt ist, sollte keine Schwierigkeiten haben, der Theorie zu folgen auch wenn er sie nicht unbedingt teilen muss.

    Der Donnerstag als Todestag ist unwahrscheinlich wegen der vielen Lügen, die nur ihre Anwesenheit an dem Tag bestätigen sollen: Tennis, die Behauptung das Frühstück nach dem Sonntag jeden Tag im Apartment eingenommen zu haben, obwohl alle Angestellten bezeugen, dass sie mehrere Tage dort frühstückten, nur um zu vermeiden, dass bekannt wurde ab welchem Tag sie dort nicht mehr erschienen, nämlich dem Donnerstag. Die Notwendigkeit Dianne Webster vom Abendessen der Kinder durch den Besuch im Paraiso fernzuhalten, last photo, Kates Jogging am Strand etc. etc.

    Der Dienstag scheidet m.M. nach aus, weil ihr Bett am Mittwoch morgen noch benutzt gewesen war und vor allem die Täuschung der Angestellten des Kinderclubs nur sehr schwer mehr als einen Tag funktioniert hätte. Wie das mit dem Donnerstag Nachmittag möglicherweise funktioniert hat, hab ich ja im letzten Beitrag erklärt, am Vormittag kann ein besorgter Vater im Kinderclub erschienen sein, sein Kind eingetragen haben und einer Kollegin erklärt haben, Maddie lieber zum Tennis als zum gefährlichen Segeln anmelden zu wollen. Daher auch die ganzen Aussagen sie hätte Tennis gespielt an dem Vormittag.

    DP scheidet m.M nach aus, weil er ursprünglich als Zeuge für die Mittwoch Nacht ausgewählt war, um zu bestätigen dass Maddie am Leben und alles gut war, dies aber nach Bekanntwerden der Gaspar Aussage nie wiederholt wurde. Wäre DP Ursache gewesen, wäre sein Name sicher nie als Überprüfer der Kinder ins Spiel gebracht worden. Ausserdem war das Zeitfenster am Mittwoch nur sehr klein, da das Bett ja am Donnerstag Morgen nicht benutzt war, sie also nicht darin geschlafen hatte.

    Eine bewusste Inszenierung habe ich generell immer ausgeschlossen, so blöd hätte sich keiner angestellt, der mit einem Plan nach PdL gekommen wäre. Nein das ist wirklich auszuschliessen.

    Betäubung als Todesursache schliesse ich wg. dem nicht benutzten Bett in der Mittwoch Nacht ebenfalls aus, sie starb vor dem Zubettgehen. Ausserdem hätte es keiner gewagt, die Zwillinge für die Show am Donnerstag noch einmal zu betäuben, wäre dies die Todesursache gewesen. Von deren (einmaliger) Betäubung am Donnerstag bin ich allerdings relativ überzeugt. Fiona und ihr Jogging...

    Occam's Razor besagt, dass "von mehreren Theorien, die die gleichen Sachverhalte erklären, die einfachste allen anderen vorzuziehen ist."

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  3. Du hast sehr viel zusammengetragen und gearbeitet und deine Gedankengänge kann ich durchaus nachvollziehen. Das will ich keineswegs schmälern.
    Ich beschäfte mich genauso lange mit der Geschichte und stehe auch nicht alleine da, wenn ich von Mord ausgehe und Mord setzt nun mal Planung voraus.
    Warum war G. so schlecht gelaunt bei Antritt des Urlaubs auf dem Video? Vielleicht doch Nervosität, ob alles klappt?
    Was ist mit seiner verletzten Eitelkeit, weil er auf normalem Wege keine Kinder zeugen konnte und M. vielleicht doch nicht von ihm war? Das könnte, außer dem Geldscheffeln schon ein starkes Motiv sein.
    Warum ging alles so schnell: die Pressekampagne, der Fond usw.?

    Das wurde alles schon auch von anderen in dieser Richtung durchdacht. Es gab schon sehr früh, Spätsommer 2007, ein Video bei YouTube im Southpark-Stil, auf dem die Figuren brüllten: 'Tha Mcc.s murdered Maddy!
    Meine einzige Hoffnung ist, dass die Vorausplanung irgendwie ans Licht kommt, denn da es keine auffindbare Leiche gibt ('Find the body and proof, tha we killed her!' oder so ähnlich)wäre das die einzige Möglichkeit, sie zu kriegen!

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  4. "Warum war G. so schlecht gelaunt bei Antritt des Urlaubs auf dem Video?" ?
    Für mich ist das ein Joke - habe lange in England und Irland gelebt und das Video hat mich noch nie beunruhigt. "I'm not here to enjoy myself" ist ne satirische Floskel mehr nicht.

    "Was ist mit seiner verletzten Eitelkeit, weil er auf normalem Wege keine Kinder zeugen konnte und M. vielleicht doch nicht von ihm war? Das könnte, außer dem Geldscheffeln schon ein starkes Motiv sein."
    Erstens wurde Maddie zweifelsfrei durch die DNA als seine Tochter bestätigt (lies die forensischen Berichte), zweitens in welcher Welt lebst du wenn das ein Motiv sein soll?

    "Warum ging alles so schnell: die Pressekampagne, der Fond usw.?"
    Kriminelle Energie sprech ich Gerry nicht ab und die Unterstützung durch britische Stellen ist ein anderes Kapitel aber auch das ist kein Indiz geschweige denn ein Beweis für Vorausplanung.

    Wer solch einen Coup vorausplant, hat Alibi, Entsorgung und Vertuschung im Griff, muss nicht auf eine armselige Jane Tanner zurückgreifen und sich zig Lügen überführen lassen, die aus dem Augenblick geboren wurden.

    Sorry aber das ist wirklich keine mögliche Option.

    Wenn du eine Hoffnung behalten willst, dann bete, dass es möglich ist zu beweisen, dass sie am Donnerstag schon tot war. Das wäre automatisch ihre Verurteilung. Da muss man ansetzen...

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  5. Sorry dass ich keinen Mord sondern nur Tötung im Affekt anbieten kann. Aber das Leben ist kein Ponyhof ;)

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  6. Es tut mir wirklich Leid, dass du dich angegriffen fühlst, so hatte ich das auch nicht gemeint.
    Ein Ponyhof wäre doch harmloser und ich meine Bösartigeres, die Metapher versteh ich nicht ganz. Ich war noch nie auf einem Ponyhof, obwohl ich schon so alt bin, dass ich im Ruhestand bin, also 'ne Menge Lebenserfahrung, auch mit der Schlechtigkeit der Menschen, habe.

    Das ganze ist in so vielen Variationen durchdiskutiert worden und es gibt verschiedene Meinungen, das wollte ich mit meinem Kommentar nur sagen.
    Wichtig ist doch, dass man die Diskussion über die Schuld der McC.s, welche auch immer, weiterführt, damit kein Gras drüber wächst.
    Und überhaupt ein Kommentar in ähnliche Richtung ist doch besser, als gar keiner, oder ein Pro.

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  7. Ich fühle mich keineswegs angegriffen, ich finde nur, dass bei einer Diskussion Argumente aufgegriffen und betrachtet werden müssen. Dein Ansatz:

    "Ich stehe auch nicht alleine da, wenn ich von Mord ausgehe und Mord setzt nun mal Planung voraus."

    zäumt das Pferd von hinten auf. Du bist überzeugt dass es Mord war und daher muss es Vorausplanung gegeben haben. Nur eine halbwegs logische Beweisführung einer Vorausplanung kann in der Schlussfolgerung dann evtl. Mord ergeben.

    Verletzte Eitelkeit wegen einer falschen Voraussetzung (er sei nicht der Vater gewesen) und ein scherzhafter Kommentar auf einem Handyvideo sind in meinen Augen keine Beweise für irgendetwas.

    Natürlich muss die Diskussion weitergeführt werden und ich sage nicht, dass ich die ultimative Erklärung gefunden habe, nur dass in Anbetracht aller Fakten dies sowohl den Tatzeitpunkt als auch den Tathergang am besten erklären würde. Und eigentlich meinte ich auch "Wunschkonzert" und nicht "Ponyhof", das ist eher ein Ausdruck meiner Kinder ;)

    Ich fände es gut, wenn auf die zugegebenermaßen sehr kurze Erklärung in meinem ersten Kommentar eingegangen würde, die zum Fazit führte. Allerdings kann ich zum Thema Vorausplanung nur wieder sagen, dass dies angesichts der vielen Ungereimtheiten in den Aussagen der Tapasniks für mich undenkbar ist. Auch hätte eine Vorausplanung ein mehrfaches Umbetten des Leichnams sicher zu verhindern gewusst, dann wäre vorher ein sicherer Ort gefunden worden.

    Ich glaube, dass die Untersuchung von Goncalo Amaral auch nicht die schlechteste war und er ziemlich dicht dran war. Einzig die Tatsache, dass sich das Geschehen evtl. einen Tag früher abgespielt haben könnte, hat m.M. die Lösung verhindert. Eine einfache Substitution von Madeleine mit Ella beim Abendessen, die Verbreitung eines alten Photos und falscher Größenangabe und die Angst einer Nanny wegen zu lasch geführter Unterlagen haben dies bewirken können. In my humble opinion, as always.

    Und natürlich danke ich dir für deine Kommentare.

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  8. Liebe Johanna,
    du hast das wieder exzellent zusammengetragen und recherchiert.
    Das der Tod am 2.Mai eingetreten sein könnte (wie auch immer)haben wir ja fast von Anfang an für möglich gehalten. Wer ist so blöd und teilt der Öffentlichkeit mit das ihre Tochter am 3.Mai am Frühstückstisch fragt warum die Eltern in der Nacht nicht da waren als sie geweint haben?
    Das war schon der erste Beweis das da was nicht stimmen kann.
    Ich hoffe immer noch das Herr Amaral einen Trumpf im Ärmel hat den er noch nicht ausspielen konnte oder wollte.

    Liebe Grüsse
    Caro

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  9. Auch wenn Daniela Prousa einen Unfall in ihrem Buch bevorzugt ist diese Passage zu beachten:

    ""Was den andauernden Vermisstenfall von Madeleine McCann anbetrifft, so wäre der Möglichkeit des Vorliegens einer Impulstat (z.B. eine singuläre Überforderungssituation mit dem Kind unter Alkoholeinfluss sowie dem allgemeinen Regressionsrahmen "Urlaub"), vor allem aber einer Affekttat durch einen Elternteil noch näher nachzugehen. Letzteres wäre in Anbetracht von Madeleines altersbedingter psychosozialer Entwicklungsphase insofern plausibel, als dass das Autonomiestreben, die Hinwendung zum Vater sowie die damit verbundene Abwendung von der Mutter durch ein knapp 4-jähriges Kind die Selbstdefinition der Mutter in ihrer Rolle als enge Bezugsperson in Frage stellt: Während die Mutter vielleicht auf die Beziehung fixiert bleibt, misst das sich entwickelnde Kind ihr zunehmend weniger Bedeutung für seine eigene Sebstdefinition zu, investiert somit auch weniger in diese Verbindung und schwächt die zwischenmenschliche Ergänzung vor allem durch "Eigenwille" und damit "Unfolgsamkeit". Eine genauere Analyse insbesondere der Mutter-Kind-Beziehung, aber auch der Vater-Tochter-Beziehung, erscheint in dem von uns betrachteten Fall also sinnvoll.""

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  10. Ich bin froh, dass du meinen Beitrag doch als Ergänzung empfindest!
    Jeder von uns hat irgendwelche persönlichen Motive für M. zu kämpfen. So ist es auch bei mir.
    Als ich in M.s Alter war, habe ich im Osten die Kriegsfront erlebt. Bomben fielen, auf mich wurde von einem Tiefflieger aus geschossen, ich wurde mitaufgestellt zum Erschießen, ich sah Menschen sterben, Tote in den Straßengräben liegen usw.
    Das Schlimmste aber war, dass man mich als deutsches Kind im polnischen Gebiet im Krankenhaus verhungern lassen wollte, aus Rache für die Untaten der Deutschen.
    Wenn so ein unschuldiges Kind, wie M. sterben musste, warum auch immer, berührt mich das sehr.
    Auch ein Totschlag im Affekt, setzt eine Absicht voraus, dieses Kind nicht zu lieben und eine Gleichgültigkeit seinem Leben gegenüber. Der seelische Mord an diesem Kind ist schon lange vorher geschehen ebenso auch hinterher weil man mit seinem Tod Geld macht.

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  11. Solche Fans wünscht man sich, Johanna, oder?
    Kriegstraumata als Solidarisierungsgrund mit der auch natürlich "geschändeten" Madeleine", Mordpläne der Eltern ohne jegliche Beweise, ein simpler Urlaubs-Joke im Bus: "Wir sind nicht zum Spass hier" bierernst missverstanden als Ausdruck von Mordplänen; Nein Johanna, Du hast es wahrlich nicht leicht mit Deiner Anhängerschaft. Wolltest Du DIE, als Du versucht hast, den Fall objektiv anhand der Fakten zu interpretieren?

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  12. Jeder Kommentar ist gleich wichtig. Es gibt keine Hitliste der beliebtesten Kommentare und Kommentatoren. Sollte es die geben, wären sarkastische und selbstgerechte, nichts zum Thema beitragende Kommentare ziemlich weit unten.

    Ich gestehe, dass ich aufgrund meiner Aktenkenntnis vielleicht manchmal überheblich rüberkomme und vielleicht zu viel erwarte, da nicht jeder in der Tiefe recherchiert hat, dafür möchte ich mich entschuldigen. Aber am wichtigsten ist die Diskussion. Ein solch unglaublicher Fall von Gesetzesbeugung darf einfach nicht in Vergessenheit geraten.

    Wie Astro in einem anderen Beitrag schrieb, wurden die kompletten Rogatory Interviews einfach unter den Teppich gekehrt und nicht in die Akten aufgenommen, noch nicht einmal übersetzt. Die Lügen, Ungereimtheiten und komplett konträren Änderungen dieser Machwerke alleine hätten sie eigentlich überführen müssen und den Ablauf der Vertuschung erleuchten müssen. Daher wurden sie einfach weggelassen, im Schlussbericht wurden ein paar Fakten verdreht und schon konnte man die unliebsame Akte schliessen.

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  13. Liebe Johanna,
    Du kommst überhaupt nicht überheblich rüber, im Gegenteil, es ist bewundernswert wie gut Du recherchierst und Zeit für den Fall aufwendest. Ohne Deine Beiträge würden wir Älteren oft im Dunklen stehen da wir nicht so perfekt die englische Sprache beherrschen und dafür Danke ich Dir ganz herzlich und freue mich immer drauf, wieder Neuigkeiten zu lesen.
    LG
    Caro

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