Mittwoch, 29. Februar 2012

Pat Brown in Portugal

Jornal Algarve123

Kriminalfall-Analytikerin untersucht McCann Geheimnis

Sie traf mit einem abgenutzten Rollkoffer und einem Metall-Detektor aus den USA ein. In ihrem Koffer befand sich ein Spaten und eine Bodenprobe. Pat Brown, Kriminalfall- Analytikerin, TV Kommentatorin und Autorin war in einer Mission unterwegs. Als sich die Neuigkeit in Windeseile in den sozialen Netzwerken verbreitetete, war die Meinung geteilt zwischen denen, die ihr alles Gute wünschten und denen, die lautstark die gegenteilige Ansicht vertraten. Brown liess sich nicht abschrecken. „Es hat nichts mit Eigenwerbung zu tun. Ich versuche einfach die Wahrheit herauszufinden“. Algarve123 traf sich mit Brown bei ihrer Ankunft an der Algarve. Zuvor hatte sie in Lissabon einige Treffen mit Gonçalo Amaral und Anderen, die ihren guten Ruf aufs Spiel setzen, um das grösste Rätsel des Jahrtausends zu lösen. (Vielen Dank dafür)


In einer der ersten Fragen wollten wir erfahren, warum eine amerikanische Kriminalfallanalytikerin und TV-Persönlichkeit das Bedürfnis verspürte, den Atlantik bis nach Portugal zu überqueren, um in einem fast fünf Jahre alten Vermisstenfall zu ermitteln.
“Zwei Gründe,” sagte sie uns. „Zunächst einmal war ich schon immer mit Leidenschaft in die Suche nach der Wahrheit involviert. Es macht mich nicht berühmt, aber es ist etwas, das mir sehr am Herzen liegt, weil dieser Fall die Art und Weise wie mit Vermisstenfällen umgegangen wird, zu beschädigen droht.
“Wir haben hier eine Situation, in der die Eltern nicht vollständig bei einer polizeilichen Ermittlung kooperierten, sich weigerten, Fragen zu beantworten, ihre Aussagen änderten und vor der Gerichtsbarkeit flohen, dann aber mit ihrer Version der Geschichte an die Presse gingen, um Leute dazu zu bringen, Geld zu spenden für die Suche nach einem Kind, das statistisch gesehen beinahe sicher, bereits tot war.“
“Ich verstehe hinterbliebene Eltern, die verrückte Sachen machen, aber noch nie habe ich solche Eltern gesehen! Ihr Handeln öffnete den Mutmassungen Tür und Tor.“
“Mein anderer Grund ist zu zeigen, dass ich Gonçalo Amaral unterstütze und für die Freiheit der Rede eintrete.“ Amaral ist angeklagt wegen Verleumdung der Familie Mc Cann durch die Veröffentlichung seines Buches „The Truth of the Lie“ (auf deutsch: “Maddie - Die Wahrheit über die Lüge”), in dem er behauptet, dass deren Tochter in der Nacht des 3. Mai 2007 in Appartment 5a starb. Der Prozess war zunächst für den 9. und 10. Februar angesetzt, wurde aber verschoben. Brown entschied sich, den gebuchten Flug zu nutzen, um zu sehen, ob sich aus dem Besuch des Tatorts neue Schlüsse ziehen liessen. Und war es so?
“Ja, tatsächlich. Ich fand mehr über die Situation in der Umgebung heraus. Ich erfuhr etwas über die Türschlösser und deren Funktion - es wäre unmöglich gewesen, die Fensterläden und die Fenster von aussen zu öffnen - und über die Art des Geländes hier. Aber meine Grundposition blieb bestehen: es gibt zwei einfache Antworten in diesem Kriminalfall.“
„Die einfachste Antwort besagt, dass ein ortsansässiger Verbrecher Madeleine entführte (in diesem Fall wurde sie fast sicher innerhalb von zwei bis drei Stunden getötet) und die zweiteinfachste Antwort ist, dass sie bei einem tragischen Unfall starb und ihr Körper beseitigt wurde.“
“Um die zweiteinfachste Antwort auszuschliessen, müssen wir zweifellos beweisen, dass es eine Entführung gab und das ist bisher nicht geschehen.“ Glaubt sie, ebenso wie Gonçalo Amaral, dass die Nacht, in der die dreijährige Madeleine verschwand, unbedingt rekonstruiert werden müsste?
“Na klar! Aber sie weigern sich beharrlich, sie alle: die McCanns und der Rest der Tapas Gruppe! Vor allem die McCanns waren ihre eigenen ärgsten Feinde. Sie könnten auf verschiedenste Art antworten: durch ihre Beteiligung bei einer Rekonstruktion des Tathergangs, durch die Teilnahme an einem Test mit dem Lügendetektor. Sehen Sie, sie müssten als Tatbeteiligte ausgeschlossen werden können, damit die erste, einfachste Antwort die wahrscheinlichste ist.“
Ein anderer Aspekt der mich wirklich stört, ist die Schaffung von Mythologien. Sex-Ring heisst das neue Feindbild. Den Eltern wird eingeredet, dass ihr Kind von einem Sex-Ring geschnappt werden könnte, aber Sex-Ringe arbeiten nicht in Hotelkomplexen! Wenn ein Sex-Ring ein Kind will, entführt er es auf offener Strasse in einem sozial-schwachen Viertel. Man entführt kein Kind der Mittelschicht in den Ferien aus dem Bett, vor allem nicht, wenn wir den Geschichten Glauben schenken wollen, dass die Eltern alle 15 Minuten vom Tisch aufgestanden sind, um nach ihren Kindern zu sehen.
Jeder auf der Lauer liegende Entführer würde sich fragen „wann, verdammt nochmal,werde ich die Chance bekommen in ein Appartment einzubrechen!“

Browns Erfahrung mit der Erstellung von Fallanalysen begann als sie schon über 4o war und bereits mehr als ein Jahrzehnt als Gebärdensprachedolmetscherin in Krankenhäusern mit Unfallopfern
gearbeitet hatte. In diesen Jahren sah sie „Alles“: Schussverletzungen, Opfer von Messerstechereien und Vergewaltigungen, Leidtragende und Schurken. Die Erfahrung hatte sie einiges über Leben, Kriminalität und Umstände gelehrt.Dann fand sie heraus, dass sie selbst für vier Wochen
ein Zimmer an einen Mann untervermietet hatte, von dem sie glaubte, dass er ein Verdächtiger in einem brutalen Sexualmordfall sein könnte.

Dieses beunruhigende Erlebnis markierte den Beginn ihres Interesses für die Erstellung von Kriminalfall-Analysen und den Umgang mit Mordfällen; man benötigte sechs Jahre, um den Mann zur Vernehmung vorzuladen und zum Verdächtigen in diesem Mordfall zu erklären und es brachte sie dazu, sich in einem Beruf zu spezialisieren, dessen Dienste grundsätzlich zu spät in Anspruch genommen werden.

“Eines meiner Anliegen ist es, Fallanalytiker zu einer Grundvoraussetzung bei allen Polizeieinheiten zu machen. Wir müssen gleich zu Anfang gerufen werden. Tatorte bedürfen besserer Vorgehensweisen.“
“Wenn Eltern ebenso wie alle weiteren Beteiligten sofort nachdem die Polizei am Tatort eintrifft, voneinander getrennt würden, wäre es viel einfacher, die Aussagen zu überprüfen und einen genauen Tathergang zu ermitteln.“ “In diesem Fall gab man den McCanns und ihren Freunden tagelang Zeit sich zu beraten.

Mit dem Ergebnis, dass sie vielleicht, um besser dazustehen oder um peinliche Dinge zu erklären, die Ermittlungen zum Tathergang in einem Masse behinderten, welches sie schuldig erscheinen lässt.“ Oder, wenn die McCanns in den Tod ihrer Tochter verwickelt waren, die Chance ihre Geschichten zu korrigieren... Wie ist ihr Fazit? Wird der Fall jemals gelöst werden?

“Falls bewiesen werden kann, dass Gerry McCann zwischen 21.15 und 21.55 Uhr in dem Tapas Restaurant beim Abendessen sass“ (während ein Mann, der Gerry McCann anscheinend sehr ähnlich sah, mit einem Kind in einem rosafarbenen Pyjama auf dem Arm auf dem Weg Richtung Strand
von einer irischen Familie gesehen wurde) „wäre das der Beleg dafür, dass es eine Entführung gab.“

„Wenn die Spürhunde richtig lagen, (eingesetzt drei Monate nachdem Madeleine verschwand, reagierten sie positiv auf die Möglichkeit, dass sich eine Leiche in dem Appartment befunden hat) „dann hat keine Entführung stattgefunden. Um diese beiden Details zu beweisen, kehren wir zurück zu der Argumentation des damals verantwortlichen ehemaligen Polizeibeamten Gonçalo Amaral: es muss eine Rekonstruktion des Verbrechens geben bei der alle Beteiligten anwesend sind.

“Aber soweit uns bekannt ist, sieht es bisher nicht so aus, als würde dies in naher Zukunft geschehen!“ Brown schüttelt den Kopf: „ Ich weiss wirklich nicht wie die englische Polizei bei der aktuellen überprüfung des Falls vorgeht, der Millionen britische Pfund kostet. Soweit ich es
beurteilen kann, haben sie nicht dort angefangen, wo sie hätten anfangen sollen: bei der Rekonstruktion des Tathergangs.“ “Darin liegt am ehesten die Chance, die Wahrheit zu ergründen!“

Kommentare:

  1. Danke, Johanna für die Übersetzung!
    Emma AMo

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  2. Das Journal Algarve 123 veröffentlicht scheinbar generell in 3 Sprachen. Ich habs nur kopiert. :)

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