Samstag, 14. August 2010

Logik

Hercule Poirot arbeitete mit den "kleinen grauen Zellen", Sherlock Holmes ist berühmt für sein logisches Denken, aber der Fall McCann zeigt leider, dass die Wirklichkeit kein Roman ist und auch unbestechliche Logik leider scheinbar keinen forensischen Beweis ersetzen kann. Am Beispiel der Aussagen der Familie Smith zeigt sich dies in aller Deutlichkeit. Man verzeihe mir ein nochmaliges Aufgreifen dieser m.M. nach zentralen Aussage im Fall, der, wenn es nach der Logik ginge, sicher schon lange aufgeklärt wäre.

Versetzen wir uns zurück zum Ende Mai/Anfang Juni 2007. Die McCanns sahen sich immer stärkeren Verdächtigungen seitens der Polizei ausgesetzt. Robert Murat konnten weder auf seinem Grundstück, noch in seinen Daten irgendwelche belastenden Fakten zur Last gelegt werden, die Entführungstheorie bröckelte, nachdem sich das angeblich gewaltsam geöffnete Fenster als nicht manipuliert herausstellte und Jane Tanners Aussage vom "Entführer" in immer verzweifelter erscheinenden Bestätigungen verschiedener Phantombilder an noch mehr Gewicht verlor, als sie ursprünglich überhaupt besaß.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt erfuhren die McCanns davon, dass eine Gruppe von 9 Personen einen Mann mit einem Kind auf dem Arm in der Nacht der Entführung, zu einem passenden Zeitpunkt Richtung Klippen hat gehen sehen. Der irische Drogheda Independent veröffentlichte nämlich am 6. Juni einen Artikel über die dort ansässige Familie. Dieses scheinbar vom Himmel geschickte Indiz, das an Glaubwürdigkeit sowohl Jane als auch die zerstörten Rolläden weit in den Schatten gestellt hätte, und endlich den ersehnten "Beweis" für eine Entführung geliefert hätte, wurde mit Ignoranz gestraft, nicht nur von den McCanns, sondern auch von der kompletten englischen Presse, die sonst jede der Myriaden an Sichtungen ausschlachtete. Und das, obwohl erst im September Herr und Frau Smith Gerry als möglichen Träger des Kindes identifizierten. Im Juni deutete diese Sichtung ausschliesslich auf einen unbekannten Entführer hin.

Mein Verständnis von Logik sagt mir, dass der Grund, warum diese Sichtung nicht nur von den McCanns, sondern auch von der Presse ignoriert wurde, durch den von der Regierung gestellten Pressesprecher orchestriert, nur der sein KANN, dass es wirklich Gerry McCann war, der dort ein Kind Richtung Klippen trug. In jedem anderen denkbaren Fall wäre diese Sichtung zur Stützung der bröckelnden Entführungstheorie genutzt worden.

Ein klarer Fall vom Hund der nicht bellte...

Kommentare:

  1. Hallo Johanna,

    ich sehe es auch so, dass es G.M. gewesen sein muss, sonst gibt es keinen plausiblen Grund für dieses Nicht erwähnen dieser Fakten!!! Nur die Diplomarbeit der Psychologin spricht dagegen, weil sie eine andere Theorie vertritt, wie das Kind weggeschafft worden sein könnte. Aber genau diese Sichtung spricht gegen die Theorie der Psychologin. Sie geht von der Abwehr der Eltern aus, die alles verdrängen wollen...

    LG Sibylle

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  2. Tja Logik gegen Psychologie ;)
    Die psychologische Herangehensweise ist sicherlich gut gelungen, nur daraus ein Tathergangsszenario abzuleiten ist mir mindestens 2 Schritte zu viel. Die Herausarbeitung der Charaktere und damit verbunden, deren Fähigkeit oder Unfähigkeit in bestimmten Situation auf die ein oder andere Weise zu handeln, ist sicherlich hervorragend gelungen. Aber wie es zum Tode kam, zuzüglich einer Prognose des gesamten Ablaufes, kann man meiner Meinung nach nicht aus den Analysen wagen zu deuten. Auch nicht in einer Annäherung an eine Wahrscheinlichkeit.

    Aber seien wir ehrlich, wenn der Staatsanwalt in seinem Abschlussbericht wissentlich lügt und schreibt die Smith Sichtung sei unerheblich, da Gerry zu dem Zeitpunkt im Restaurant gewesen wäre, dann kann man das schon als bare Münze nehmen, wenn man die Akten nicht genau studiert hat.

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  3. Huhu Johanna,

    tja, die Psychologie ist auch nicht immer der Weisheit letzter Schluss!!!

    LG Sibylle

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  4. Hallo Johanna,
    du bist überzeugt, dass Gerry das Kind versteckt hat. Ich denke aber, ihm blieb dafür einfach nicht genug Zeit. Amaral schreibt in seinem Buch, dass die Smith-Familie gegen 21.55 Uhr die Bar verlässt und nach ca. 30 Metern die Begegnung erfolgte. Also um ca. 22.00 Uhr. Maddie war also zu diesem Zeitpunkt noch nicht versteckt, sondern wurde noch herumgetragen. Nach S. 144 erfolgte der Alarm durch Kate zwischen 21.30 und 22.00 Uhr. Somit kann Gerry noch nicht wieder zurück gewesen sein. Er musste ja auch noch ein Versteck finden, dass sich im Nachhinein als absolut sicher erwiesen hat. Ich denke, Kate hätte nur Alarm gegeben, wenn sie sicher war, dass M. bereits versteckt war und Gerry anwesend war. Für mich ergibt sich, daraus, dass jemand anderes M. transportiert hat, wobei ich aber nicht an eine Entführung glaube. Ich denke, die McCanns hatten einen Helfer.
    Gruß
    Marion

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  5. Die "Zeugin" Jane Tanner hat ja versucht, Mr. McCann aus der "Schusslinie" zu nehmen, indem sie angab, den angeblichen Entführer zu dem Zeitpunkt gesehen zu haben, als sich Gerry McCann mit einem anderen englischen Urlauber unterhalten habe, damit hätte Gerry ein Alibi. Die Smith-Sichtung passt mit der Tanner-Sichtung in vielem nicht überein und wurde deshalb ignoriert.

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  6. @Marion
    Wer sagt denn genau, dass Gerry beim Alarm überhaupt zugegen war? Es gibt nur eine Zeugenaussage, die ihn nach 22:00 Uhr "suchend" am Pool bestätigt. Aber ausser den Tapasniks hat ihn keiner zum Zeitpunkt des Alarms gesehen, und dieser Zeitpunkt steht auch nicht genau fest.

    Sicher könnte es auch einen "Helfer" gegeben haben, aber zwischen Falschaussagen und tätlicher Hilfe beim Entsorgen einer Leiche liegen immer noch Welten.

    Ohne Rekonstruktion kann nie genau geklärt werden, wer wann wo war.

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  7. Nochmal zur Theorie des Helfers:
    Zum einen glaube ich nicht, dass Jane es riskiert hätte, Alarm zu geben, wenn Gerry nicht wieder anwesend ist. Das hätte ja leicht nach hinten losgehen können, wenn Gerrys Abwesenheit z. B. jemandem vom Hotelpersonal aufgefallen wäre. Dann glaube ich, dass sich nur so das unauffindbare Versteck erklärt. Der Helfer hatte vermutlich eine Wohnung in der Nähe. Außerdem gibt es auch noch eine Aussage der Aerobic-Trainerin Najova Chekaya, die angebl. von ca. 21.30 bis 22.00 auf Einladung von Gerry am Tisch gesessen hat und behauptet, keiner sei aufgestanden. Wenn es wirklich einen Helfer gegeben hat, wäre es doch schlau von Gerry gewesen, sich so zusätzlich durch eine nicht zur Gruppe gehörende Person ein Alibi zu verschaffen. Aber sicher hast du Recht, das sind alles reine Spekulationen; eine Rekonstruktion wäre hilfreich gewesen. Gruß Marion

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  8. Kate gab den Alarm, nicht Jane.
    Najoua Chekaya war nicht am Donnerstag anwesend sondern am Dienstag.
    Der Weg von 5A zum Ort der Smith Sichtung dauert 3 Minuten. Der Zeitplan ist völlig undurchsichtig, da er sich ausschliesslich auf die Aussagen der Tapasniks beruft und daher nicht faktisch ist.
    Entscheidend ist die Tatsache, dass sich die McCanns heftigen Angriffen wegen des nicht glaubhaften "Beweises" der defekten Jalousien, und der unglaubwürdigen Zeugin Tanner ausgesetzt sahen und trotzdem diesen perfekten Beweis einer Entführung nicht aufgriffen. Sondern im Gegenteil, die Berichterstattung der englischen Presse sogar von CM und der MMU unterdrückt wurden. Damit ist m.M. nach der Beweis erbracht, dass es sich um Gerry McCann handelte.

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  9. Du hast natürlich Recht, gemeint war auch Kate. Ist das sicher, dass N. Ch. am Donnerstag nicht mit am Tisch gesessen hat? Ich meine, ich hätte das mal irgendwo so gelesen.
    Die McCanns hätten aber sicher auch kein Interesse daran gehabt, dass ein von Ihnen beauftragter "Entführer" entdeckt wird. M. E. ergibt sich aus der Missachtung der Smith-Zeugenaussage nicht unbedingt ein Beweis, dass es Gerry selbst war, sondern nur, dass dieser Mann wirklich Maddie transportierte und dass die McCanns dies wussten, ihn aber decken wollten. Kannst du mal den Link zur Zeugenaussage angeben, wonach G. suchend am Pool gesehen wurde? Wann wurde eigentlich das Hotelpersonal und wann die Polizei alarmiert und von wem? Oder ist das nicht bekannt?
    Gruß Marion

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  10. Man sollte sich an die Akten halten und nicht an Presseberichte. Die Mühe, die sich einige wenige mit den Übersetzungen gemacht haben sollte man auch würdigen. Es steht alles drin was man wissen sollte, da muss man nicht auf Presseberichte zurückgreifen, die in 90% der Fälle manipuliert sind.

    http://www.gerrymccannsblogs.co.uk/PJ/JERONIMO-SALCEDAS.htm

    Die anderen Fragen bitte selbst recherchieren.

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