Samstag, 28. April 2012

"Sie wollen eine Entführung erzwingen"

Englische Übersetzung von Joana Morais

Übersetzung von Portugiesisch ins Englische ins Deutsche:


Judite de Sousa [JS]: Hier im Studio habe ich Goncalo Amaral, den Inspektor der PJ, der die Untersuchungen zum Verschwinden von Madeleine McCann vor 5 Jahren in situ geleitet hat. Guten Abend, Goncalo Amaral.

Gonçalo Amaral [GA]: Guten Abend.

JS: Was veranlasst Ihrer Meinung nach Scotland Yard plötzlich die PJ zu bitten, den Vorgang wieder zu eröffnen und kategorisch zu verkünden, dass es 195 neue Ansätze gibt, die es zu untersuchen gilt?

GA: Nun, wir müssen das Timing verstehen, den Zeitpunkt... Gestern war der 25. April [Gedenktag an das Ende der Diktatur in Portugal 1974, bekannt als die Nelkenrevolution] Dies ist wichtig weil es der Tag ist an dem Portugal Freiheit und Demokratie feiert, und eine fremde Macht, oder eine Person einer fremden Macht uns sagt: "So ist es, eröffnet es wieder!". Es ist wichtig. Wir sind wenige Tage entfernt vom traurigen Jahrestag des Verschwinden dieses Kindes, ein tragischer Moment... Es ist ein Jahr her, dass das Team seine Untersuchung startete, bei der Millionen von Pfund ausgegeben wurden; dies wurde in England hinterfragt. Zu sagen, dass sie 195 mögliche Hinweise haben - da muss ich fragen, warum ist das so? Warum haben sie noch 195, warum haben sie nicht nur 5?


JS: Wie erklären Sie sich diese Zahl? 195 Untersuchungsmöglichkeiten?

GA: Sie sprechen von Sichtungen, von Visionen durch Medien, in Dingen die erarbeitet wurden, verschiedene Dinge wurden über die Jahre hinweg erarbeitet und was die Sichtungen angeht, sehr gut erarbeitet; nun muss die englische Polizei den Ball der portugiesischen Polizei zuspielen und wir bleiben auf der Beweislast und den Kosten für die Untersuchungen sitzen. Ohne Zweifel ist es wichtig den Prozess wieder zu öffnen, aber ohne die Beschränkungen, die sie uns auferlegen wollen.


JS: Was sind die Beschränkungen, die sie uns auferlegen wollen?

GA: Sie wollen eine Entführung erzwingen. Tatsächlich sprechen sie über zwei Möglichkeiten, dass sie leben könnte oder tot sein könnte. Und das is es.

JS: Nein, Scotland Yard sagt dass....

GA: Nein Scotland Yard bestätigt dass das Kind leben oder tot sein könnte.

 JS: ... sie am Leben sein könnte.

GA: Oder tot sein könnte. Vergessen Sie nicht das "tot sein könnte". Mit einer 50%igen Wahrscheinlichkeit. Und das ist das wirklich Traurige. Es sind fünf Jahre vergangen und wir wissen immer noch nicht was mit diesem Kind geschehen ist und das ist unser Fehler. Es ist unserer!

JS: Unserer? Wessen?

GA: Unseres Justizsystems, unseres Generalstaatsanwaltes, der es erlaubte die Untersuchung ad acta zu legen. Im September 2007 hatten wir gewisse Schlüsse gezogen, es waren Zwischenergebnisse, und eine Kriminaluntersuchung muss abgeschlossen werden. Sie muss beendet werden. Dieser Untersuchung war es nicht gestattet am Ende anzukommen. Es war wichtig zu sehen ob die Schlüsse zu denen wir damals gekommen waren, letztendlich bewiesen werden konnten oder entkräftet würden - so sollte eine ordentliche Kriminaluntersuchung durchgeführt werden.

JS: Warum entschied der portugiesische Generalstaatsanwalt Ihrer Meinung nach den Prozess ad acta zu legen?

GA: Weil wir Portugiesen sind und die sind Engländer - so einfach. Wir sind klein und sie sind groß. Das passiert gerade jetzt.

JS: Dann vertreten Sie die These dass es politischen Druck gab?

GA: Darüber gibt es keine Zweifel. Erst kürzlich war unser derzeitiger Premierminister in England, er führte Gespräche mit David Cameron und sprach oder ihm wurde erzählt (über diesen Fall). Es wäre für unseren Premierminister wichtig gewesen zuerst mit denen zu sprechen die in der Untersuchung involviert waren um ein besseres Verständnis darüber zu haben was passiert war...

JS: Aber es wird schwierig für die, die uns zuschauen und zuhören,zu verstehen sein, aus welchen Gründen die politischen Mächte in London oder eine Polizei mit dem Prestige von Scotland Yard, so fokussiert, so engagiert in diesem Fall sind, fünf Jahre später, besonders seit der Prozess schon lange in Portugal archiviert wurde. Was denken Sie ist die wahre Motivation hinter dieser Review?

GA: Glauben Sie wirklich dass sie fokussiert, engagiert sind? Sie sprechen von einer 28 Mann starken Truppe innerhalb von Scotland Yard... Erlauben Sie mir sie zu informieren, dass es nur eine Stadtpolizei ist, der Stadt London. Hier in Portugal wurde die Untersuchung von der Policia Judiciaria geleitet, eine viel höher stehende Polizei, mit juristischer Kompetenz für das ganze Land, im Gegensatz zur Metropolitan Police. Lassen sie uns darüber im klaren sein, wir (PJ) sind was wir sind, aber vielleicht können wir gleichwertig oder sogar besser als sie sein - das ist der Punkt. Nun, die 28 Polizisten betreffend, sie untersuchten (die Fallakten) und kamen zum Schluß: "Wir haben 195 Hypothesen". Nun, die Frage ist warum haben sie immer noch 195? Warum nicht nur 5? Sehen Sie das nicht?

JS: Sie denken also dass sie 195 sagen und genauso 10, 15, 20, 200, 300 sagen könnten?

GA: Sie müssen das ausgegebene Geld rechtfertigen. Es wäre besser gewesen wenn sie nur fünf gesagt hätten. Das wäre bedeutungsvoll gewesen, es würde bedeuten, dass sie die vielen Möglichkeiten eingeschränkt hätten. Zu sagen dass sie 20, 30, 40, 195, 200, 300, 400... Sichtungen und Träume durch Medien haben, sehen Sie wir haben Hunderte, Dutzende, Tausende von denen, suchen Sie sich einen aus. Auf der anderen Seite, Fakten, Indizien alles was im Bericht vom September 2007 steht, der von der PJ UND der englischen Polizei zusammengestellt wurde - lassen Sie uns nicht vergessen, dass es die lokale Polizei des Wohnortes der McCanns war, die mit uns zusammengearbeitet hatten, nicht die Metropolitan Police. Hier haben wir die PJ die die nationale Kompetenz hat Kriminalfälle zu untersuchen, aus einem guten Grund... Daher kann das, was damals festgestellt wurde, nicht angefochten werden. Warum bitten sie uns jetzt den Fall wiederaufzunehmen? Es ist wichtig den Prozeß wiederaufzunehmen aber wie Dr. Rogerio Alves (Anwalt der McCanns in Portugal) kürzlich sagte, muss es solide Fakten geben um den Prozeß wieder zu eröffnen. Er weiß sehr gut dass wenn dies geschehen ist, wird ein Schritt unweigerlich folgen und dass ist die Rekonstruktion der Fakten (des Abends des 3. Mai). Und die Rekonstruktion der Fakten, die sowohl positiv oder negativ für die damaligen Verdächtigen sein kann, muss durchgeführt werden, es ist der erste Schritt der getan werden muss lt. den Verfahrensrichtlinien in Portugal. Und das ist noch nicht geschehen...


JS: Gonçalo Amaral, also stehen Sie dazu dass der Prozeß wiedereröffnet werden sollte?

GA: Yes I do, I have always defended the re-opening 6, actually it's something the McCann couple never defended, only recently, after two or three years, they've started to defend a review of the sightings - and that is what is being done. The re-opening of the process in Portugal, with all the indicia that are contained in the process, it was never defended by them. Note that when the process was archived in 2008, there were three suspects: Robert Murat and the McCann couple. Any of the three could have opposed to the process archival, some received 500.000 pounds of compensation from the British media whilst others kept quiet. Why? Because it wasn't their interest for the investigation to carry on, but the investigation needs to go on.

JS: You are talking about the child's parents?

GA: I am talking about all of them, of all those that were considered suspects.

JS: Do you maintain that...?

GA: The investigation needs to go on. If someone stopped, someone as an arguido, as a suspect, for example in the case of Robert Murat, if he believes, due to his own personal motives, that he doesn't have to advance with a request asking the re-opening of the investigation - he received a compensation from the English newspapers - that's fine.

JS: You maintain the belief that this child is not alive?

GA: I have one opinion. Just like that gentleman [Andy Redwood] has one opinion, "I have one opinion", he said, "that she is alive", I have the opinion that she is dead. I have the right to have my own opinion. I and other police officers, I and other [forensic] technicians, and my opinion is an opinion based on facts, unlike his who I don't know if it is based on evidence, or if it is based on pseudo-sightings, or where it is based exactly. I wrote a book where I underlie my firm belief and the facts that support my opinion, that gentleman said "we've looked at this [the process], and it's like this"... but he doesn't explain the reasons.

JS: And do you also maintain the belief of the parents responsibility in the cadaver's disappearance?

GA: Notice one thing, a criminal investigation has its own dynamics, we begin at a point and we bring it to an end. By September 2007 we had reached certain conclusions, and it would have been necessary to validate those conclusions, to advance or not in that path, we had to carry on with the investigation. That is a criminal investigation. Then someone says "you have to stop the investigation" and no progress was made since. What is left is what was made known in the process and in my book [Maddie, The Truth of the Lie]. And was expressed in the book because we were accused of several things, I was accused of several things, and that book came out in my defence. By the way, let me tell you that the book copies were formally returned today, finally after several years [7.500 book copies were seized after a McCann couple injunction].

JS: And it's going to be placed again in the bookshops.

GA: I believe so, yes. People have the right to read the book...

JS: Gonçalo Amaral, what are...?

GA: Now, those were conclusions arrived at a determined moment of the investigation, they are not final conclusions. They are interim, and people have to understand that.

JS: What should be the Oporto's Judiciary Police team line of investigation if the process is re-opened?

GA: Oporto's team has no chance of investigating the process, the events took place in the Algarve, as much as they wish, as much competence they have, they can't - they're too far away from it [as to time, crime scene/terrain and circumstances]. It's logical that it is important for someone to be distanced, in terms of location and time, but they don't stand any chances, they really don't, because it all took place in Algarve. Either the investigation is made by the Algarve or between the Lisbon and Algarve Judiciary Police, or is investigated in England as it should be. In fact, the English police, Scotland Yard have the money to support the costs, they can spend an extra few million pounds and investigate what happened to a British subject, that is, Madeleine McCann, of English nationality.

JS: Gonçalo, explain me one issue. In your point of view, what are the reasons that led the National Judiciary Police Directorate to send to Oporto the Maddie McCann case?

GA: The reasons? They were justified by Dr. Pedro do Carmo, because of the distance, because of the geographical distance, the distance in terms of people, but in terms of competence...

JS: And what do those reasons tell you?

GA: In Lisbon, for example the former DCCB7, the current National Unit Against Terrorism have much more experienced people - I'm not talking about competence - but much more experienced people in the area of abductions, kidnappings, disappearances and so on, than Oporto has. Oporto only has...

JS: So, you don't understand that decision?

GA: My colleague, that I know very well, Dr. Helena Monteiro, has a big case, the case of the young woman from Lamego, that disappeared there and later appeared close to the motorway connection to Régua8, it's an important case but the young woman was dead, she had been there for a month, and they could have located her with a GPS, but well...To state that they have a great experience [in missing people cases] it doesn't make much sense.

JS: But are you saying that your colleagues from Oporto....

GA: They are very competent, have no doubts about that. They are police officers, they are competent, they are criminal investigators, they are competent.

JS: But you don't believe that they can solve this case?

GA: Too many pages. Too much indicia, too many things that need to be read, and sometimes it's difficult to read 9.

JS: Gonçalo Amaral, what happened to your team? To the persons who worked with you during the investigation to this case?

GA: They are being persecuted, case by case, they are being persecuted. The last case was with my colleague, Ricardo Paiva 10, who was a target of an entrapment, an entrapment at facebook [social site], and Dr. Pedro do Carmo immediately stated that he had violated a number of duties, etc. It's interesting because Pedro do Carmo....

JS: One question...

GA: Allow me to conclude, in terms of disciplinary processes Dr. Pedro do Carmo was the person who had to make a decision, and immediately before any investigation is made to that incident, he stated that Ricardo Paiva had violated the secrecy of, a series of duties, and we have to ask, why does this happen? Why does someone, a deputy director of the Judiciary Police, comes to the public, on his tiptoes11, speaking against him [a colleague]? It's because they are witnesses. Ricardo Paiva is one of my witnesses in the process the McCann couple have against me, and why do these directors, these people who are now directors - at this moment they are representing the Judiciary Police, but they are not the Judiciary Police - the Judiciary Police has a history, beyond these directors...

JS: Let me go back to the point that you just made, what you are saying is that your colleagues that remain active, in the Judiciary Police, are being persecuted?

GA: There are no doubts about that.

JS: Inside the Judiciary Police?

GA: Inside the Judiciary Police.

JS: They are suffering retaliations?

GA: They are suffering retaliations, simply because they worked with me. I can't go to the police, I can't contact anyone because immediate retaliations follow. That has happened before. Therefore I limit myself to the life in my neighbourhood, it's a pretty neighbourhood, very close to the EXPO, where I lived for forty years, and now I'm back again.

JS: Did this case ruined you?

GA: It didn't ruin me per se, I live through this moment of crisis like all of us are. I am surviving, and will continue to do so. I will go on with calm and serenity.

JS: Gonçalo Amaral, thank you so much for coming here tonight to 'News at 8'.

GA: Thank you, good night.
 

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