Samstag, 21. März 2009

An die lethargische Presse

Geraume Zeit ist vergangen seit die Polizeiakten im Fall Madeleine McCann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden und ich bin sicher, dass alle Journalisten, die ihre Bezahlung wert sind, viele Stunden und schlaflose Nächte damit verbracht haben sich durch die Akten zu wühlen, um etwas Licht in eins der größten Mysterien der letzten Jahre zu bringen.

Für die wenigen, die gemäß Herrn Clarence Mitchell, ihr Mittagessen lieber in flüssiger Form zu sich nehmen, habe ich es auf mich genommen, einige der wichtigeren Teile zusammenzustellen. Nicht dass sie in der kritischen, ausführlichen und unvoreingenommenen Berichterstattung untergehen...

Mal sehen, was wir haben ...





Verletzung der Aufsichtspflicht

Der Tatbestand der Verletzung der Aufsichtspflicht, bei der 3 Kinder unter 4 Jahren allein in der Nacht in einem Hotelzimmer in einer nicht gesicherten Ferienanlage gelassen wurden, ist der Faktor auf den sich die Kritiker der McCanns konzentrieren können. Er ist das ständig wiederholte Mantra derer, denen die Eltern nicht nur leid tun, sondern die ihnen auch einen Teil der Schuld geben. Die Verletzung der Aufsichtspflicht vereint alle diejenigen unter einem Dach, die glauben, dass irgendetwas nicht so ganz stimmt, ohne genaue Fakten zu kennen. Sie kanalisiert die Empörungung gegenüber Eltern, die ihre drei Kinder mit in Urlaub nahmen und nur mit zweien wieder nach Hause fuhren.

Weiterhin ist die Verletzung der Aufsichtspflicht die Basis für die Theorie einer Entführung. Ohne eine "wohldosierte" Verletzung der Aufsichtspflicht hätte es keine Gelegenheit für die "Entführer" gegeben, in die Wohnung einzudringen und Maddie aus ihrem Bett zu nehmen, ohne eine einzige forensische Spur zu hinterlassen. Wohldosiert musste sie deshalb sein, um nicht bei zu langer Verletzung der Aufsichtspflicht dafür angeklagt zu werden.

Aber gab es überhaupt eine Verletzung der Aufsichtspflicht? Wenn wir den 3. Mai ausser Acht lassen, verbleiben fünf vorhergehende Tage oder eher Nächte. Am ersten Abend, dem Samstag, haben sie ihr Abendessen im Restaurant "Millenium" zusammen mit den Kindern eingenommen und sich dann in die Apartments zurückgezogen. Es bestand keine Notwendigkeit die Kinder in Abständen zu überwachen. Bleiben vier Tage. Die Gruppe betont, dass sie jeden Abend die gleiche Routine verfolgten. Aber wenn wir die Akten befragen, stellen wir fest, dass jeweils eine Person fast jeden Abend fehlt beim Essen:

Sonntag: Matthew Oldfield klagte über Übelkeit durch eine verdorbene Mahlzeit im Flugzeug, und nahm nicht am Abendessen in der Tapas Bar teil.
Montag: nichts bekannt
Dienstag: Russel O'Brian nahm nicht am Abendessen teil, weil eine seiner Töchter krank war.
Mittwoch: Rachael Oldfield nimmt nicht am Abendessen teil. Sie war krank und blieb in ihrem Zimmer

Außerdem lesen wir in den Akten, dass zwei Paare Babyfone mitgebracht hatten, die Paynes hatten eins, das vom Apartment zur Tapas Bar reichte; die Familie Tanner/O'Brian hatte eins mit geringerer Reichweite, aber dass ausreichend gewesen wäre zur Überwachung der Kinder im Apartment-Komplex. Wenn Sie also zwei Babyfone haben, und jeweils eine Person pro Nacht in der Wohnung bleibt wäre es doch viel sinnvoller die Kinder vom Apartment aus zu überwachen.

Am Donnerstag, dem Tag als Madeleine verschwand, war jeder beim Abendessen, aber die physische Überwachung der Kinder war so häufig, dass sie einen inszenierten Eindruck macht. So war z.B. Matthew Oldfield gerade mit seiner Runde fertig, als Gerry McCann sofort wieder aufstand um die Kinder zu überprüfen. Dadurch ergab sich für einen potenziellen Entführer nur ein Zeitfenster von 21:05 als Gerry McCann die Kinder das letzte Mal kontrollierte bis 21:10 als Jane Tanner den angeblichen Entführer auf der Straße entdeckte.

Möglicherweise gab es also gar keine Verletzung der Aufsichtspflicht an den vorangegangenen Tagen, da sich immer jemand in den Apartments aufhielt und zwei Babyfone zur Verfügung standen. Die Mär der alleingelassenen Kinder könnte also nur als Grundlage für eine Entführung gedient haben.

Freitag, 20. März 2009

Massenmord auf Jersey?


Senator Stuart Syvret (Bild vor dem ehemaligen Kinderheim Haute de la Garenne) hat heute eine Bombe explodieren lassen.

In seinem Blog veröffentlicht er einen geheimen Polizeibericht von 1999. Darin geht es um die Untersuchung von Anschuldigungen seitens des Personals gegen einen Pfleger des General Hospitals auf Jersey. Unter anderem stand er unter dem Verdacht in der Zeit von Februar bis März 1998 13 Patienten ermordet zu haben.

Lt. Syvret hat der zuständige Generalstaatsanwalt diese Untersuchungen fallen gelassen, wohl aus Angst um das Image der Insel.

Hier einige übersetzte Auszüge aus dem Bericht:

Krankenhaustode

Die Krankenhausbehörden, mit der Unterstützung der Oberschwester xxxx haben eine Untersuchung der Todesfälle auf Corbiere Ward in Verbindung mit den Pflichten von Axxx Mxxx, zwischen dem 1. März 1998 und dem 31. März 1999 durchgeführt. Die durchschnittliche Sterblichkeitsrate beträgt 4,5 Todesfälle pro Monat, gleichmäßig verteilt zwischen Ms Arbeitszeit, Ruhetagen und Jahresurlaub.

Im Februar 1999 zeigen die Aufzeichnungen aber eine erhebliche Abweichung von diesem Trend, und wir sehen 8 Todesfälle in vier Nächten, als M. Nachtdienst hatte. Im März 1999 sind fünf Todesfälle aufgetreten, während der Dienstzeiten oder am nächsten Morgen, als M. Nachtschicht hatte. Solche Schwankungen könnten sowohl auf einen schweren Grippeausbruch, der gebrechliche oder bereits kritisch kranke Patienten betrifft, aber auch auf Foulspiel zurückzuführen sein.

Eine Einschätzung des Charakters des Verdächtigen

Herr Richard W ALTER ist ein US-amerikanischer forensischer Psychologe am Michigan State Prison. Er hat umfangreiche Erfahrungen im Bereich des Täter-Profiling und besuchte Jersey zur Teilnahme an der Internationalen Konferenz der Polizei Chirurgen. Während er in Jersey war, hatte ich die Möglichkeit, ihm die Fakten in diesem Fall zu zeigen. Er bestätigte meinen Verdacht, dass M. die Merkmale eines Serienkillers besitzt und er ein sehr gefährlicher Mensch sei. Er fand die sexuellen Aktivitäten des M. seien von besonderer Bedeutung und die Drohung Schwester B zu töten, als er angeblich ihr Brustbein gebrochen hatte, sei ein Hinweis auf sein ungesundes Interesse am Tod.
Folgende Maßnahmen wurden dem Generalstaatsanwalt empfohlen:

1) Fordern Sie alle Unterlagen und Gutachten aus dem Krankenhaus in Bezug auf Axxx Cxxx Mxxx und Paten an, die in der Erklärung der beretis vernommenen Krankenschwester erwähnt werden.

2) Identifizieren Sie die Patienten die in der Aussage der Krankenschwester A erwähnt werden, und befragen sie die Verwandten.

3) Identifikation und Auffindung von Aufzeichnungen über Patienten, die im Februar 1999 verstarben, und Befragung aller Angehörigen der Patienten.

4) Befragung von allen ehemaligen und gegenwärtigen Mitarbeitern (46) im Jahr 1998.

5) Verfolgen Sie mögliche Hinweise auf sexuelle Avancen zu [Name zurückgehalten] in Jersey von M..

6) Nochmalige Befragung von L. Hxxx in Bezug auf die Angaben der Krankenschwester A.

7) Identifizieren Sie alle Patienten, die Bewohner von Corbiere Ward im Februar 1999 waren und während der Ereignisse die Krankenschwester A erwähnt hat.

8) Ermittlung und Befragung der Frau und die Mitarbeiter bzgl. des Suizidversuchs, einschließlich des Krankenhauspersonal dem sie sich anvertraute. (Angeblich hat der Verdächtige einer jungen Frau Tipps zum besseren Selbstmord gegeben)

9) Beauftragung eines britischen Experten, mit ähnlichen Untersuchungen vertraut, zur Beratung.

10) Entwicklung einer Presse Strategie

11) Durchführung einer Notfallkonferenz mit den Krankenhausbehörden und Stellen einer Anfrage dass Krankenpflegerin J.G. dabei behilflich ist.

12) Einrichtung eines HOLMES Krisenraumes.

13) Fordern Sie die Aufzeichnungen über Medikamentenvergabe im Corbiere Ward an.

14) Bitten Sie Basingstoke CID Untersuchungen zu M's Aktivitäten durchzuführen zu der Zeit während er dort tätig war.

15) Identifizieren Sie alle Freunde in Jersey der Krankenschwester A und befragen Sie sie.

16) Zeichnen Sie eine mögliche "Sterbe Erklärung" von Schwester A auf.

In wieweit diese Empfehlunge in die Tat umgesetzt wurden, ist unklar. Klar ist jedenfalls, dass der Beschuldigte weiterhin auf Jersey lebt und wohl noch immer im Pflegebereich tätig ist.

http://stuartsyvret.blogspot.com/

Sonntag, 4. Januar 2009

Nochn Blog

Neues Jahr, neuer Vorsatz.

2 Jahre in denen ich mich über die Medien verstärkt aufgeregt habe was die Qualität, Wahrhaftigkeit und Genauigkeit ihrer Berichterstattung in vielen Fällen angeht, führten mich zu dem Entschluß, ein wenig Licht ins Dunkel einiger mir besonders am Herz liegender Fälle zu bringen.

Da ist einerseits der Fall "Madeleine McCann" der das absolute Waterloo fast aller internationalen Medien darstellt. Obwohl für interessierte und akkreditierte Medienleute ein großer Teil der Polizeiakten mitlerweile zur Verfügung steht, war der Fall mit dem viele Zeitungen doch ein Riesengeschäft gemacht hatten, scheinbar nicht der Mühe wert, diese anzufordern, geschweige denn zu durchforsten.

Wie sonst soll man es deuten, dass dieses reichhaltige Reservoir an Hintergrundinfos zum wohl spektakulärsten Fall einer "Kinderverschwindung" nicht angezapft wurde. Ich möchte dies nachholen und auch deutschen Lesern die Möglichkeit geben, Einblick in die z.T. in mühevoller Kleinarbeit übersetzten tausendfachen Dokumente zu erhalten.

Ein weiterer Fall der mich sehr beschäftigt sind die Entwicklungen im Falle des ehemaligen Kinderheims Haut de la Garenne auf der Kanalinsel Jersey und die Tatsache, dass dieser spektakuläre Fall komplett von der Bildfläche der internationalen Medien verschwunden ist, nachdem die leitenden Ermittler ausgetauscht wurden. Hier bin ich leider fast ausschliesslich auf die Berichte des Blog-Kollegen Senator Stuart Syvret angewiesen, der fast im Alleingang die Justiz von Jersey und Großbritannien zur Wahrnehmung ihrer Verantwortung zwingen will.

Derweil gibt es für die Betroffenen nach wie vor keine Gerechtigkeit, in beiden Fällen...