Mittwoch, 10. Dezember 2014

Schadenersatzklage McCanns gegen Amaral 10.12.2014


Eine Zusammenfassung des heutigen Gerichtstages nach dem Bericht von astro - maddiecasefiles.com (english version in Link)

Die Verhandlung fand heute in einem anderen Raum statt. An der Wand über der Richterin - die übrigens nicht ersetzt wurde - standen die Worte geschrieben "A injustiça feita a um é ameaça para todos" - Ein Unrecht, das einer Person angetan wird, ist eine Bedrohung für jedermann.

Ein Umstand, der noch nicht so bekannt war, wurde heute deutlich: Isabel Duarte ist die Anwältin der Eltern während Ricardo Afonso der Anwalt ist, der die drei Kinder der McCanns vertritt. Jedem dieser Anwälte standen heute 90 Minuten zur Verfügung für eine Art Schlußplädoyer. Isabel Duarte nahm allerdings nicht an der Verhandlung teil (evtl. wird der Grund noch bekannt) und so mussten "nur" 1,5 Stunden überstanden werden, während denen Ricardo Afonso in "Fidel Castro Manier" seine Rede hielt. Trotzdem blieb es wohl bei einem geschätzten Drittel seiner Anschuldigungen, da ihn die Richterin dann unterbrach.

Trotzdem referierte er fast 2 Stunden über Zahlen, verglich das Buch mit ausgewählten Teilen der Polizeiakten und versuchte Goncalo Amaral, die PJ und die Hunde zu diskreditieren, während er gleichzeitig darauf beharrte, dass die britische Polizei nicht einer Meinung mit den Schlüssen der PJ waren, die dazu führten, die McCanns zu Arguidos zu machen.

Ein Beispiel seiner Argumentation: das Buch beginnt mit der Erwähnung von Jägern, die Hasen jagen, was angeblich nicht zur Jahreszeit/Jagdzeit passen würde. Daher wäre auch alles andere im Buch falsch.

Er versuchte die Hunde anzufechten, die DNA Tests, Mark Harrisons Bericht, von dem er sagte, er wäre nur auf die Möglichkeit ihres Todes ausgerichtet gewesen. Er behauptete, die PJ wären auf Teufel komm raus darauf aus gewesen die McCanns zu beschuldigen und die Beweise den Anschuldigungen anzupassen.

Um es kurz zu machen, er erörterte Dinge, die keinen Platz in diesem Prozess hatten; weite Teile seiner Behauptungen waren darauf ausgerichtet, die polizeiliche Untersuchung und den Arguido status der McCanns zu erläutern, mit einigen Erwähnungen von Alipio Ribeiro und seiner Aussage, es wäre "voreilig" gewesen, die Eltern zu Arguidos zu erklären.

Er attackierte auch die Glaubwürdigkeit der Familie Smith und hinterfragte, warum sie als glaubwürdige Zeugen der Untersuchung gesehen wurden während Jane Tanner diskreditiert wurde. Er sagte, dass die Tanner Sichtung die Smith Sichtung untermauere aber dass der Koordinator - Amaral - und sein Team einfach nichts anderes untersuchen wollten als die Todeshypothese und die Eltern.


Der Angeklagte wollte nur "Blood, Swet and Tears" verkaufen.

Er fügte hinzu dass die Untersuchung jegliche Objectivität verlor und dass die britische Polizei, Martin Grime und Mark Harrison dies erkannten und befürchteten, dass die McCanns Opfer einer impulsiven und ungerechtfertigten "Arguidisierung" wurden. (ja dann hätte Kate ohne Anwalt die 48 Fragen beantworten müssen - Anmerkung von mir)

Er führte weiterhin aus, dass Stuart Prior "sehr beunruhigt" war als er sich mit der PJ am 4. September traf, nur Tage bevor die McCanns zu Arguidos erklärt wurden. Und dass er deshalb beunruhigt war, weil er wusste dass es falsch war sie zu beschuldigen, da es keine Beweise gab und die DNA Berichte falsch interpretiert wurden, aus Bequemlichkeit/zum Nutzen der PJ.

Dann etwa wurde er von der Richterin unterbrochen. Er verbrachte keine ZWEI MINUTEN damit, die Aussagen seiner Zeugen zu erwähnen. Aus gutem Grund wie wir uns vorstellen können.

Gonçalo Amarals Anwalt, Miguel Cruz Rodrigues, betonte, dass diese Klage vor Gericht nur dem Zweck diene das Ehepaar von Schuld freizusprechen. Schuld die Kinder in der Nacht des Verschwindens nicht beaufsichtigt zu haben, und Schuld nicht mit der polizeilichen Untersuchung kooperiert zu haben.

Der Mangel an Kooperation der Eltern und ihrer Freunde führte dazu, den Fall zu den Akten zu legen, etwas, dem sie sich nie widersetzt haben obwohl es möglich gewesen wäre.

Er führte auch aus, dass es sehr merkwürdig wäre wenn sie nicht deprimiert, ängstlich und traurig wären. Wenn sie keinen Appetitverlust und Schlafstörungen gehabt hätten. Aber wo ist der kausale Zusammenhang zum Buch? Der wurde nicht bewiesen. Ihre Beschwerden könnte jede ander Ursache haben, z.B. die Schuld, die sie fühlen müssen wegen der Verletzung ihrer Aufsichtspflicht und wegen ihres Verhaltens im Laufe der Untersuchung.
Zusammenfassend: Vage Anschuldigungen von Seiten der Eltern aber keine Beweise für irgendeinen Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Buches.

Fatima Esteves, Anwalt für Guerra e Paz, stellte heute die etwas emotionaleren Behauptungen auf. Sie betonte ein paar relevante Punkte:

- das fast vollständige Fehlen von Journalisten im Gerichtssaal heute, im Gegensatz zum vollen Saal immer wenn die Eltern am Prozess teilnehmen, was beweist, dass die McCanns der Motor hinter den Medien sind and sie die Agenda der Medien definieren.

- die Eltern hätten von Anfang an zu Arguidos erklärt werden sollen, was im Fall verschwundener Kinder üblich wäre.

- die Zeugen der Anklage hätten sehr vage Aussagen gemacht und zwei von ihnen hätten sogar nachträglich schriftliche Berichte eingereicht (die von der Richterin abgelehnt, von einer höheren Instanz aber zugelassen wurden) ohne von der Anklage befragt zu werden.

- es wurde nicht bewiesen, dass die angeblichen Schäden durch das Buch resultierten.

- Scotland Yard erscheint, zufällig, immer dann wenn es eine Gerichtssitzung in Lissabon gibt.

- die McCanns verklagen Goncalo Amaral um die Zwillinge vor einem Buch zu schützen, dass diese nicht lesen können, da es auf portugiesisch ist, aber verklagen nicht die Websites, die die englische Übersetzung veröffentlichen, die die Zwillinge lesen können.
- die McCanns haben nie die Wiedereröffnung des Falles in Portugal beantragt. 
- Kopien der Bücher des Fund wurden von der Verteidigung angefordert aber von den Eltern abgelehnt.

Miguel Coroadinha, der Anwalt von TVI, begann mit einer Kopie der heutigen Ausgabe des Correio da Manha und einem Artikel über die Befragungen in Faro um die folgenden Punkte deutlich zu machen:

- die Besuche durch Scotland Yard lenken die Aufmerksamkeit vom Prozess ab, wiederholt und genau passend.

- der Fall ist bereits Grundlage zu Studien über seine aussergewöhnliche Medienpräsenz geworden

- die McCanns haben den Fall in den Focus der Medien gebracht und tun alles um ihn dort zu halten

- die Aufmerksamkeit der Medien hat nie nachgelassen und das Buch hatte keinen Einfluss auf die Medien oder die Untersuchung

- Zeugen für die McCanns haben ausgesagt, die Medienpräsenz hätte mit der Veröffentlichung des Buches zugenommen

- TVI hatte die Dokumentation der McCanns nicht gesendet da die McCanns ihr Einverständnis zurückzogen nachdem bereits darüber verhandelt worden war.

- was angebliche Schäden betrifft ist es unmöglich einen kausalen Zusammenhang zum Buch zu beweisen

- dieser Gerichtssaal ist nicht der Platz um Fehler der Untersuchung zu diskutieren (wie Ricardo Afonso), aber wenn es einen Fehler gab, dann war es der, die McCanns nicht am Tag nach dem Verschwinden nicht zu Arguidos gemacht zu haben. Wenn dies geschehen wäre, wären wir vielleicht heute nicht hier.

- die Zeugen der Mccanns waren emotionell zu involviert und zu nahestehend um glaubhaft zu sein.

- die beiden "Experten" Gutachten (ich nehme an die schriftlich, nachgereichten) wurden von den Autoren benutzt um der Befragung zu diesen Berichten auszuweichen

- das Ehepaar versucht Geschichte umzuschreiben, jeden zu überzeugen, dass die einzige Theorie ihre eigene sei, aber das Buch ist bereits Teil der Fallgeschichte.



Das weitere Vorgehen ist wie folgt:

Der nächste Verhandlungstag ist der 21. Januar 2015. Dann wird die Richterin vortragen was als "materia de facto" während der Verhandlungen vom Gericht festgestellt werden konnte. Dies sollte einen ersten Eindruck auf das mögliche Urteil geben.

Danach laufen 30 Tage ab in denen die McCanns ein Dokument des High Court Richters in London vorlegen müssen, das belegt, dass sie berechtigt sind, Madeleine zu repräsentieren, da sie ja ein Mündel des Gerichts ist. Wir werden sehen, wie lange sie diese Zeitspanne ausreizen werden.

Sollten die Eltern das Dokument nicht einreichen, wird nur der Teil der Verhandlung annuliert, der Madeleine betrifft. Alles andere geht weiter.

Dann haben alle Anwälte 10 Tage Zeit ihre "alegações de direito" einzureichen. Ein Urteil wird dann frühestens für März erwartet.

Kommentare:

  1. Aber immer finden die Gerichtsverhandlungen zeitgleich mit medienwirksamen Events von Scotland Yard in Portugal statt, wo Verdächtige auf dem Silbertablett präsentiert werden, wie merkwürdig!

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  2. hallo johanna,danke dass derbericht in deutsch war....höre ich daraus dass man sy doch nicht trauen kann und sie weiter vertuschen wollen????

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  3. Das ist sicherlich die vorherrschende Meinung in Portugal. Ich sehe das nicht so. SY war schon über 30 mal in Portugal, das Senden und Genehmigen der rogatory letters ist kompliziert und immer von Verzögerungen betroffen. Das gleiche gilt für die Terminierung des Prozesses. Beides zu koordinieren ist m.M.n. unmöglich. Wenn von den 30 Besuchen zwei auf den Termin eines Prozesstages fallen ist das sicher Zufall. Und selbst wenn nicht, was sollte das bringen?

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