Donnerstag, 20. August 2009

Wollen die McCanns Maddie wirklich finden?

von Karin Leuthold

Ihre Tochter Maddie sei entführt worden, behaupten Kate und Gerry McCann seit Mai 2007. Falsch, sagt die Madeleine Foundation. Die Eltern selbst seien an Maddies Tod schuldig. Doch die Ermittlungen gegen sie würden systematisch unterbunden. Und zwar von der britischen Regierung.

Der Ansatz der «Madeleine Foundation» ist klar und simpel: Ihre Mitglieder trauen der Version der McCanns nicht; sie glauben nicht, dass deren Tochter Maddie am 3. Mai 2007 von einem Unbekannten aus ihrem Schlafzimmer im portugiesischen Ferien-Resort entführt wurde. Sie glauben vielmehr, das Kind sei tot. Und sie vermuten, dass Kate und Gerry McCann in irgend einer Weise mit ihrem Tod zu tun haben.

Die «Madeleine Foundation» hat sich die «Suche nach der Wahrheit» auf die Fahne geschrieben. Ihre Sicht der Dinge deckt sich dabei präzise mit jener des abgesetzten portugiesischen Chefermittlers Gonçalo Amaral.

Die Organisation werde nicht ruhen, bis die Eltern zur Rechenschaft gezogen würden, steht auf ihrer Webseite. 20 Minuten Online sprach mit Vera Steinke, der deutschen Vertreterin der «Madeleine Foundation».

20 Minuten Online: Frau Steinke, was ist die Motivation der «Madeleine Foundation», sich für das kleine Mädchen einzusetzen?
Vera Steinke: Wir sagen ganz einfach, dass die britische Bevölkerung ein Recht auf eine faire Darlegung und Analyse der Fakten hat, die nur einen Schluss zulassen: nämlich dass keine Entführung stattgefunden haben kann. Im Fall der verschwundenen Madeleine haben wir das Beispiel eines ungewöhnlichen Paares, das einerseits eines schwerwiegenden Verbrechens verdächtigt wird, dabei aber von der britischen Regierung und von der britischen Presse durch seine einseitige Berichterstattung massiv unterstützt wird.

Sie behaupten, die McCanns würden von der britischen Regierung unterstützt? Warum?
Das ist leider bis heute die grosse Frage. Es gibt nur Vermutungen und Spekulationen, aber nichts Konkretes. Fest steht, dass von Anfang an eine massive Einmischung und Unterstützung der britischen Regierung stattgefunden hat, die weit über das Mass des Normalen hinausgeht. Es scheint, als ob es nicht nur um das Verschwinden eines kleinen Mädchens geht.

Um was denn?
Es gibt zwei Tatsachen, die es hier zu erwähnen gilt: Einerseits ist der jetzige Pressesprecher der Familie McCann, Clarence Mitchell, ein ehemaliger Regierungssprecher, der auf Weisung des Premiers Gordon Brown die Medienarbeit der Eltern ab September 2007 übernahm – kurz nachdem sie zu Verdächtigen wurden. Zum anderen ist der portugiesische Ermittler Gonçalo Amaral nach dem Portugal Summit 2007 und einem Gespräch zwischen Gordon Brown und seinem portugiesischen Amtskollegen José Sócrates vom Fall abgezogen worden – genau in dem Moment, als er eine kritische Haltung gegenüber den Eltern einnahm.

Gonçalo Amaral arbeitet seit Herbst 2007 nicht mehr an dem Fall. Er verbreitet im Internet aber die Theorie, dass Maddie tot ist und dass sie von den Eltern – infolge eines Unfalls oder eines Verbrechens – getötet wurde. Wieso wird ihm keine Beachtung geschenkt?
Es scheint, dass Kräfte in der britischen Regierung verhindern, dass dieser Fall objektiv und in alle Richtungen untersucht wird. Es wird nur eine Theorie zugelassen, und zwar die von den Eltern behauptete Entführung, obwohl es keinerlei Beweise dafür gibt. Gonçalo Amaral musste den Fall abgeben, als er die Eltern zu Verdächtigen erklärte, nachdem die Spürhunde eindeutige Beweise gefunden hatten.

Was macht Ihre Organisation konkret, um zur Aufklärung des Falles beizutragen?
Da die Mitglieder der «Madeleine Foundation» keine Ermittler sind, können sie in dieser Richtung auch nichts unternehmen. Sie können aber durch Aktionen - etwa Petitionen -versuchen, die britische Regierung dazu zu veranlassen, den Fall wieder aufzunehmen bzw. wegen Vernachlässigung und Verletzung der Aufsichtspflicht gegen die Eltern vorzugehen. Die Verteilung von Leaflets in Leicester und Umgebung vor wenigen Tagen hat zum Beispiel für viel Aufsehen in der britischen Presse gesorgt.

Glauben Sie, dass der Fall noch einmal aufgerollt wird?
Die Eltern scheinen jedenfalls nicht an einer Wiederaufnahme des Falles interessiert zu sein. Das wirft wiederum eine weitere Frage auf: Warum nicht? Eltern, deren Kind verschwunden ist, sollten doch das grösste Interesse an der Klärung eines solchen Falles haben.


http://www.20min.ch/news/dossier/maddie/story/Wollen-die-McCanns-Maddie-wirklich-finden--21265542

Kommentare:

  1. Jemanden nur so aus einem Bauchgefühl heraus zu verdächtigen ist widerlich.

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  2. Stimme ich voll und ganz zu. Dummerweise hatte die Polizei in Portugal massivst Indizien gesammelt bevor sie die McCanns zu Arguidos erklärten. Diese Indizien bestehen ja nach wie vor, sie sind nur scheinbar gerichtlich nicht verwertbar oder es ist nicht gewollt dies überhaupt zu testen.

    Nichtsdestotrotz muss eine persönliche Meinung nicht dem juristischen Grundsatz in dubio pro reo folgen, denn es gibt sicher genug Fälle in denen klar ist, dass jemand schuldig ist, aber nie verurteilt wurde (O.J. z.B.).

    Der Grundsatz der Logik ist hier nicht zu umgehen: Leichengeruch entdeckt -> keine Leiche jemals im Apartment->nur eine verschwundene Person->Madeleine dort tot gelegen->Eltern involviert.

    Da gibt es leider keine andere Möglichkeit. Die Umstände sind natürlich völlig offen.

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  3. Johanna,
    da stimme ich Dir voll zu. Indizien gibt es zu Hauf nur die brit. Regierung lässt sie nicht zu.
    Sie deckt McCanns wo es nur geht.
    Wer Amarals Buch gelesen hat und TB's 60 Grüde, der kann nicht mehr an eine Entführung glauben und auch nicht das die Eltern unschuldig sind.

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